CD-Rezension / Review / Kritik

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Kristin Kontrol X-Communicate

Kristin Kontrol
„X-Communicate“
(Sub Pop/Cargo)
Kontrol, she’s here: Die schwarz gekleidete Frau, die sich da auf dem Cover selbst am Zopf hochzieht, ist nicht irgendwer, sondern Kristin Welchez, die man normalerweise als Dee Dee vom bezaubernden Surf-Indie-Quartett Dum Dum Girls kennt. Und ihr Solo-Alias ist sinnvoll gewählt, denn auf „X-Communicate“ präsentiert sich Kristin Kontrol als Herrin über ihr eigenes Schaffen, das oft deutlich von dem ihrer Hauptband abweicht. Die Zeile ‚You don’t need to change’ im vor Saxophonen strotzenden Opener „Show Me“ ist also lediglich an den Lover gerichtet – im Sound sind die Veränderungen unüberhörbar, auch wenn das Stück verspätet einen Break einstreut, der an „You Wish You Were Red“ von den Dream-Poppern Trailer Trash Tracys erinnert. Bei „White Street“ jaulen und grummeln hingegen Jangle-Gitarren, das Titelstück sucht synthiepoppigen Familienanschluss an The Jezabels oder Haim, gelegentlich heult gar ein Autotune-Effekt auf – was sich aber glücklicherweise in überschaubaren Grenzen hält. Denn auch so geht dieses Album als vielschichtige kleine Pop-Köstlichkeit durch, bei der sich die Indie-Gemeinde ruhig einmal locker machen sollte, statt die Nase zu rümpfen. Und wäre Welchez kein Dum Dum Girl, sondern ein Beach Boy, wäre „X-Communicate“ ihr „Surf’s Up“. Nicht die schlechteste Referenz.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.


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