CD-Rezension / Review / Kritik

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livingston animal

Livingston
„Animal“
(Long Branch Records/SPV)
Treffen sich zwei Südafrikaner, ein Engländer, ein Deutscher und ein Däne. Keine Sorge, jetzt folgt keiner dieser unerträglich lustigen Witze, bei denen in einem brennenden Flugzeug ein Fallschirm zu wenig vorhanden ist, und die damit enden, dass sich der Angehörige der zu verballhornenden Nation versehentlich den Rucksack eines anderen umschnallt. Zumal der Däne inzwischen gar nicht mehr mit von der Partie ist. Die Rede ist vielmehr vom Quintett Livingston, das seit 2009 sein Heil in kernig-vorlautem Alternative-Rock sucht – und dieses dank der Charterfolge mit den Alben „Sign Language“ und „Fire To Fire“ sowie als Support-Act von Apocalyptica auch fand. Bis die Verkaufszahlen nicht mehr genügten und das Majorlabel die Band droppte. Für Livingston auf ihrer dritten Platte Grund genug für eine ‚Jetzt erst recht’-Reaktion: Die Songs, allen voran die elektronisch unterwanderte Single „Chemicals“, haben an Tiefenschärfe gewonnen – womöglich die Folge davon, dass sich die Band für die Aufnahmen in eine Hütte im Berliner Spreewald zurückzog und erst wieder herauskam, als „Animal“ fertig eingetütet war. Und das ganz ohne Gegurke, denn Stücke wie „The Hunter“ oder „In My Head“ lassen sowohl Platz für dynamische Uptempo-Bömbchen als auch für pointierte Bassläufe und Beukes Willemses sehnsüchtigen Gesang. Böse Zungen, die schon wieder gemeine Vergleiche mit Stanfour oder Daughtry anstrengen wollen, sollten vorher also ein Ohr riskieren – und sich blöde Witze am besten gleich ganz sparen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.