CD-Rezension / Review / Kritik

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Jon Hassell Dream Theory In Malaya Fourth World Volume Two CD Cover

Jon Hassell „Dream Theory In Malaya: Fourth World Volume Two“

(Glitterbeat/tak:til)
1980 nahm Jon Hassell mit Brian Eno das Album „Fourth World, Vol. 1: Possible Musics“ auf. Das Album krempelte allerlei bis dato gültige Vorstellungen bezüglich Ambient und Weltmusik um und tauchte zum Jahresende berechtigterweise an der Spitze diverser Musikpolls auf. Im Folgejahr nahm Hassell den Nachfolger „Dream Theory In Malaya: Fourth World Volume Two“ auf. Brian Eno war als Gast erneut mit an Bord, die künstlerische Kontrolle lag diesmal jedoch komplett bei Hassell. Anders als Volume One hielt sich in den Jahren nach der Veröffentlichung die Anzahl der Neuauflagen des zweiten Teils in Grenzen. Die nun vom Glitterbeat-Ableger tak:til vorgelegte Fassung ist das erste offizielle Re-Issue in diesem Jahrtausend. Die Idee für das Album fand Hassell seinerzeit beim Ethnologen Kilton Stewart, der als erster Forscher die Senoi auf dem Gebiet des späteren Staates Malaysia besuchte. Die Senoi verstanden ihre Träume als integralen Bestandteil ihres Lebens und einer ihrer Stämme entwickelte zudem eine Form von Musik, bei der rhythmische Muster durch das Schlagen ins Wasser erzeugt wurde. Hasswell griff Elemente der Senoi-Kultur auf und nutzte ungewöhnliche Skalen für sein Trompetenspiel, das dank damals neuer Studioeffekte wie das Digital-Delay selten nach Trompete klang. Eno beteiligte sich mit Schlagwerk und Glocken – an den Reglern saß dabei der spätere U2 Produzent Daniel Lanois. Entstanden ist ein Kaleidoskop rhythmischer Figuren – gleichermaßen archaisch und futuristisch. Weltmusik aus realen und fiktiven Ecken einer Welt.
Sascha Bertoncin

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2017.
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Friday the 17th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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