CD-Rezension / Review / Kritik

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Orson Hentschel Electric Stutter CD Cover

Orson Hentschel „Electric Stutter“

(Denovali/Cargo)
Selbst wem das Debüt des seinerzeit spontan von Denovali unter Vertrag genommenen Wunderkinds aus Düsseldorf („Feed The Tape“) insgesamt dann doch etwas zu brachial als „Body-Music“ dünkte, mag voller Zuversicht eine erneute Konfrontation mit dem Schaffen des auf Abwege geratenen Jungpianisten eingehen. Denn „Electric Stutter“ hausiert nur noch dort mit perkussiver Vehemenz, wo es im Sinne der Track-Ökonomie - selbst beim besten Willen - keine Alternative mehr zu veräußern gibt. Die ins Nervengewebe der Selbstdeutung injizierten Einflüsse des Herrn Hentschel, - oder genauer: seine Inspirationen (Polyphonie des 14. Jahrhunderts, Minimal Music) - bleiben zwar, zumindest für Außenstehende, weiterhin bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Doch dieser zumindest latent stilbildende Umstand ändert nahezu nichts an der ungebrochenen Intensität der Ereignisse. Nur dass „Electric Strutter“ die Variabilität des grundierenden Soundsettings - im Vergleich zum Antezessor - um ein Vielfaches multipliziert. Und somit ein deutliches Plus an imaginativ wirksamen Hirnfutter zum Fraß feilbietet. Ja, es darf auch mal gezögert (und kurz nachgedacht) werden. Nur eine Konstante bleibt hinsichtlich des Kredenzens nicht diskutierbar: Play it loud. Or not at all.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
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2017 Sonic Seducer Magazin

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