CD-Rezension / Review / Kritik

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Gudrun Von Laxenburg Panic CD Cover

Gudrun Von Laxenburg „Panic!“

(Skint/BMG/PIAS/Rough Trade)
Trend des Monats: Bands mit Frauennamen, in denen nur Männer spielen. Zum Beispiel Gudrun Von Laxenburg aus Wien, die ihre Musik an der Ecke Gudrunstraße / Laxenburger Straße zusammenschrauben. Geschraubt wird jedoch nicht ausschließlich, da auch Gitarre und leibhaftige Drums an Bord sind und „Panic!“ einen entsprechend wuchtigen Drive verleihen. Das Debüt des Trios geht stets an der Grenze zwischen Track und Song spazieren, wobei der Ausschlag eher in erstere Richtung geht: Der Breakbeat-lastige Auftakt „Planet Of The Arps“ oder „Losing Control“ pauken sich mit Nachdruck und scharfen Sequenzen in den elektronischen Club, und stimmlich hat zumeist der Vocoder das Sagen, was viele Stücke in die Nähe früher Justice oder Boys Noize ohne Metal- oder Punk-Insignien rückt. Für richtiggehenden Gesang müssen Features her – wie bei „Moving Water“, einem preziösen Electro-Pop-Song mit weiblichem Charme, oder „Just Can’t Get Enough“, das auf Digitalisms „Mirage“ nicht fehl am Platze gewesen wäre. Und droht man nach dem ambienten Zwischenspiel „Jonesy’s Lullaby“ schon aus dem Tanzrhythmus zu geraten, fahren Gudrun Von Laxenburg „Panic!“ mit den formidabel knarzenden Brettern „What Whoop“ und „The Return Of The Unicorn“ zum Schluss noch einmal kräftig hoch. Nur Electroclash sollte man besser nicht dazu sagen – das wäre doch etwas zu gestrig für so ein frisch zu Werke gehendes Album.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2017.