CD-Rezension / Review / Kritik

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deine lakaien crystal palace

Deine Lakaien
„Crystal Palace“
(Chrom Records/Soulfood)
Weniger politisch, deutlich persönlicher. Abgesehen davon, dass das Private auch immer politisch ist, verschieben Deine Lakaien auf ihrem zehnten Album erneut den Fokus. Keine leichte Aufgabe nach dem unglaublich starken „Indicator“. So machen Ernst Horn und Alexander Veljanov mit „Crystal Palace“ zunächst einen großen Sprung in die eigene Vergangenheit. Mit ausschließlich elektronischen Mitteln haben sie das Album eingespielt. Echte Streicher, Gitarren oder ein Klavier sucht man vergeblich. Doch der Retro-Faktor hält sich in Grenzen, auch wenn man sich bei „Farewell“ und „Nevermore“ kurzzeitig in den Neunzigern wähnt. Das liegt nicht zuletzt an Horns Synth-Expertise. So klingen Songs wie „Forever And A Day“ oder das wunderschöne „Where The Winds Don’t Blow“ immer noch extrem organisch. Cembalo, Harfen, Sitar und Guzheng-Gezupfe sei Dank. Im direkten Vergleich mit „Indicator“ mag „Crystal Palace“ zwar weniger facettenreich wirken, obwohl Deine Lakaien auch hier deutlich experimentieren, was Gesang und Musik betrifft. Stattdessen greifen die Songs stärker ineinander, harmonieren auf Albumlänge untereinander. Wer mit „Indicator“ Probleme hatte, wird also freudig in die Hände klatschen. Wer dagegen das explizit Politische von „Indicator“ mochte, wird auf „Crystal Palace“ weniger fündig. Auch wenn zumindest Alexander Veljanov weiterhin gesellschaftspolitische Themen aufgreift, geben sich die Lyrics doch deutlich verschlüsselter. Was „Crystal Palace“ in jedem Fall zu einem vielschichtigen Album macht, das deutlich mehr Interpretationsspielraum lässt als sein Vorgänger und manch spannende Stunden garantiert. Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07-08/2014.

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