CD-Rezension / Review / Kritik

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Diary Of Dreams Hell In Eden CD Cover

Diary Of Dreams „Hell In Eden”

(Accession Records/Indigo)
Filmisch, dicht, kulminierend, dynamisch, theatralisch im positiven Sinne: das neue Diary Of Dreams-Werk erreicht eine epische Breite wie womöglich keins ihrer Werke zuvor. Schon mit dem Opener „Made In Shame“ wissen die Musiker zu überraschen. Opulente Chöre im Hintergrund doppeln die dramatisch angelegten Synkopen-Figuren der Leadstimme, deren eingängige Hookline wie ein Filmtitel wirkt – und gleichzeitig Fragen aufwirft (Worin liegt die Schande des Protagonisten?), im Endchorus bricht sich die cineastische Fulminanz verstärkt Bahn. Im Stück „Epicon“ erstehen straighte Gitarrenriffs, synthetische Chöre gleißen auch hier, eine Passage des Beats erinnert an Galeeren-Schlagwerk. „Decipher“ präsentiert modulierende Sequenzen, EBM-Elemente und ist durchtränkt vom Flair einer aufwühlenden Reise zurück zu einem lang vermissten Herzstück des eigenen Daseins. „Perfect Halo“ wirkt entspannt und erzählt doch eine ganz andere, eher sarkastische Geschichte; „Traces Of Light“ trägt eine verstörende Welttraurigkeit in sich; „Sister Sin“ birgt trotz Düsternis auch eine gewisse Leichtigkeit; „Hiding Rivers“ besticht durch die handgespielten Streicherarrangements und das Gefühl ungestillter Sehnsucht… - so könnte man eine Weile fortfahren. Festzuhalten indes bleibt: mit Mut und Akribie schreiten die Musiker weiter, entschleiern vor unseren Ohren und Geist eine faszinierende Fantasy-Geschichte um die Verrohung der Menschheit, welche von einer Verwirrung ihres Traumlebens herrührt, stoßen Gedanken, Assoziationen und Gesichte an, erschaffen ein dichtes, und doch transparentes Gewebe von detaillierter, eigenständiger Klangkunst: frei von Reißbrettspielen. Dies ist das Geheimnis jener, die einfach dem Herzen ihres eigenen Schaffens nah sind.
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2017.
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Thursday the 23rd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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