CD-Rezension / Review / Kritik

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Demoncast Narcissus CD Cover

Demoncast „Narcissus“

(Danse Macabre/Alive)
Wer glaubt, dass Industrial, jazziger Pop und Metal nicht zusammenpassen, irrt und sollte sich Demoncast anhören, das neue Projekt des israelischen Elektro-Zauberers Ptyl, das er zusammen mit seiner Lebens- und Arbeitspartnerin Ariel geschaffen hat. Das Debütalbum „Narcissus“ lebt von Gegensätzen. Eine treibende Industrial-Nummer wie das an „Jesus Built My Hotrod“ von Ministry erinnernde „Deathdrive“ ist ebenso zu finden wie sanfte, dunkelromantische Elektro-Songs mit jazzigen Anklängen, zu denen sowohl „Crack“ als auch „Immortal“ gehören. Beide sind dramatisch und bauen eine sehr intensive erotische Spannung auf. Chaos folgt auf Wohlklang. Unterstrichen wird dieses Wechselspiel durch die sinnliche Stimme von Ariel und die leidenschaftlichen, mitunter aggressiven Vocals von Ptyl, die sich gegenseitig antreiben und ergänzen. Die dezent eingesetzten Metal-Gitarren im Hintergrund, die der Leadgitarrist der israelischen Metal-Band Sintax beisteuert, runden das Ganze ab und fügen eine zusätzliche Facette hinzu. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich selbst ein Depeche Mode Cover („In Your Room“) und eine Interpretation des Blondie-Klassikers „Call Me“ perfekt einfügen. Irritierend gute Symbiose unterschiedlicher Stile.
Karin Hoog

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2017.