CD-Rezension / Review / Kritik

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displacer nimon house of the dying sun

Displacer & Nimon
„House Of The Dying Sun“
(Hymen/Ant-Zen)
Auf dem fantastischen letzten Werk des kanadischen IDM-Klangmeisters Michael Morton alias Displacer gab es einen kleinen musikalischen Beitrag von Keef Baker zum Track „Leviathan“. Offenbar verstand man sich hervorragend, denn nur etwas mehr als ein Jahr nach „Foundation“ erscheint nun ein Album, das Displacer in Koproduktion mit Bakers Projekt Nimon kreierte. Wem der einzige bislang erschienene Output von Nimon noch im Kopf nachklingt, der wird sich in etwa ausmalen können, welcher Gestalt die Fusion dieser Mächte im experimentell-elektronischen Bereich ist. „House Of The Dying Sun“ jagt einen wohligen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Die zehn kristallklar produzierten, ambienten Instrumentaltracks werden von ausladenden Flächen getragen, die sich über zarte Rhythmen im Downtempo legen und mit effektvollen Streichern und Gitarren vereinen, die als solche nur noch bedingt zu erkennen sind. Die Melodien sind filigran, aber diffus, warm und düster genug, um behutsam unter die Haut zu fahren und dann am Nervensystem anzudocken. Einige Passagen sind etwas direkter, beinahe tanzbar. Insgesamt haben wir es aber mit einem relaxten Album für ganz persönliches Kopfkino zu tun.
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2014.