CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
disagony venom dish

Disagony
„Venom Dish“
(Snowhite/Rough Trade)
Mal ehrlich: Der Konsumterror im Supermarkt kann einem schon dann und wann die Schuhe ausziehen. Mindestens. Der Dame auf dem Cover von „Venom Dish“ erging es offensichtlich noch ärger: Die steht sogar splitternackt und mit hilflosem Blick zwischen all den tollen Produkten. Apropos tolles Produkt: Ein solches ist das erste Album des Genfer Trios Disagony, obwohl es die verhuschte Verzweiflung der Frau im Artwork keineswegs widerspiegelt. Zu weit reißt Sängerin Lynn Maring die Gitarre auf und schimpft mit tiefer, gegerbter Stimme über die „Wild Generation Y“ und die „Gender Identity Disorder“. Alexandre Davoine und Raphael Despas geben dazu eine unsanfte Rhythmusgruppe, so dass der Opener „Cut“ scharf die Erwartungshaltungen aller zerfetzt, die auf Zartbesaiteteres gehofft hatten. Auch die Auskopplung „Stop Rewind“ macht als Appetizer dank bis zum Anschlag aufgedrehter Verzerrer und rabiater Breaks keinerlei Gefangene. Bis so etwas wie eine ansatzweise Ballade kommt, muss der Hörer dann auch bis zum letzten Stück „Forever Fool“ warten – zuvor triumphiert zupackender, disziplinierter Lärm, der sich ständig mit Garage-Punk und rotzigem Indie-Rock anlegt. Obacht also: Wenn es demnächst beim Einkaufen plötzlich hoch hergeht, könnte das an Disagony liegen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2014.


Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button
Saturday the 18th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©