CD-Rezension / Review / Kritik

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full contact 69 zombi3 m4chine

Full Contact69
„Zombie3 Ma4chine“
(Razgrom)
Wer sich in den letzten Jahren mit der dunklen, komplexen Electro-Materie eingehender beschäftigt hatte, stieß ganz schnell auf ein Trio, dem der frühe Vancouver-Sound in Fleisch und Blut übergegangen zu sein scheint. Speziell Front Line Assembly und deren hochgradig einflussreiches Treiben in der ersten Hälfte der Neunziger schlug sich deutlich in dem nieder, was Full Contact69 auf ihren ersten zwei in Eigenregie veröffentlichten Alben veranstalteten. Mit „Zombie Machine“, für das Sebastian Schleinitz, Thomas Gangloff und Frontmann Andreas Schubert nun mit einem Label zusammenarbeiten, wird nochmals einer draufgesetzt. Nicht, weil Tracks wie „Collateral Damage“ oder „We Need Some Backup“ das Beste von „Caustic Grip“ und „Tactical Neural Implant“ destilliert, aufkocht und neu reagieren lässt, sondern weil das Album als Ganzes eben keine stupide Kopie ist, weil es rockt wie Sau, weil es groovt wie Schwein und weil FC69 gleichzeitig etwas von Dynamik, Atmosphäre und der kontrollierten Freisetzung hoher Energie verstehen. Diese Band gehört zu den ganz wenigen, die mit neuem Stoff am richtigen Nerv alter Electro-Heads rütteln, denen das meiste Aktuelle zu stumpf, zu simpel und monoton ist. Die Fähigkeiten Schuberts als Sänger und Entertainer (live) kann man auch nicht deutlich genug hervorheben. Auf 500 Stück limitiert und handnummeriert ist die physische Erstauflage von „Zombie3 Ma4chine“. Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung muss sicher nicht extra attestiert werden. Ich tue es hiermit zur Vorsicht dennoch.
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2016.