CD-Rezension / Review / Kritik

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deftones gore

Deftones
„Gore“
(Reprise Records/Warner)
Die Alternative/Crossover-Veteranen haben sich mit ihrem achten Studiowerk ordentlich Zeit gelassen. „Gore“ sollte zunächst im September 2015 das Licht der Welt erblicken. Am Ende ist es egal, denn der schon ausgelutschte Spruch von dem gut Ding, das Weile haben will, trifft bei diesem Dreher den Nagel auf dem Kopf. Herausgekommen ist in Zusammenarbeit mit Produzent Matt Hyde ein Album, das elf überaus variable Tracks beinhaltet. Im Vergleich zu den sehr starken Vorgängern „Diamond Eyes“ (2010) sowie „Koi No Yokan“ (2012) klingt der neue Dreher im ersten Durchgang wesentlich fragmentierter. Soll heißen, dass die Songs nicht ineinanderfließen, sondern eher für sich stehen. Das äußert sich vor allem in Melodie und Tempo, mit denen alle Tracks extrem spielen. Das macht die Platte aber ganz und gar nicht kompliziert oder schwer hörbar. „Gore“ entwickelt dadurch eine ganz eigene Dynamik, die sich von Song zu Song steigert. Es ist eine mächtige Scheibe, die eine unbeschreibliche Kraft und Volumen ausstrahlt. Hinzu kommt, dass die Wechsel von ruhigen, fast schon sphärischen Phasen und wirklich wütenden Ausbrüchen in den Bann ziehen. Unterm Strich bedeutet dies ein komplett neues Klangerlebnis, auch wenn man stets den typischen Deftones-Style geboten bekommt. Auf „Gore“ entwickeln Rock, Alternative sowie Crossover einfach eine unvergleichliche Eigendynamik. Ein meisterhaftes Werk, aus dem  man keinen Song herausnehmen sollte. Hören, genießen und sich von der Musik aufsaugen lassen. Ganz groß!
Erik Rössler

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2016.