CD-Rezension / Review / Kritik

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full contact 69 woman machine

Full Contact 69
„Wo(man) Machine“
(Eigenproduktion/Bandcamp)
Nachschlag vom derzeit mit Abstand besten Electro-Act ohne Labeldeal. Das erste Album, mit dessen Titelsong „Man Machine“ unser Battle Of The Bands 2012 gewonnen wurde, steckt der seinem Namen nach weibliche Konterpart locker in die Tasche. In gewisser Hinsicht ist es ziemlich unglaublich, was die Berlin-Erfurter Connection auf der Pfanne hat, andererseits aber auch nicht, wirft man einen Blick auf die musikalische Vorgeschichte der Involvierten, die in die frühen Neunziger zurückreicht. Zeitlich etwa dort, geographisch aber eher in Nordamerika und England, dürften auch die wichtigsten Einflüsse zu finden sein. „Wo(man) Machine“ ist sehr hart, aber niemals stumpf, dafür sorgen stimmungsvolle Sound-Installationen, ein gutes Maß an Dichte und ein trotz nur wenig verbauter Gitarren-Samples dezent rockiger Charakterzug. Die massivsten Nummern konzentrieren sich auf das erste Albumdrittel. „Out Of Control“ und „Move Your Ass“ brettern mit gebrüllten Vocals los und sind direkt in einige EBM-Clubs eingeschlagen. Noch stärker wird die Scheibe indes, wenn das Tempo gesenkt und das Licht gedimmt werden. „Ghostlight“ oder „Provocative“ dürften mindestens allen FLA-Fans Schauer der Wonne über den Rücken jagen. Vor allem der letztgenannte Track ist ein Geniestreich: Die Effekte, die Melodien und Flächen, die variable Rhythmik - alles auf Augenhöhe mit den Meistern aus Vancouver. Schwachstellen generell Fehlanzeige. Die limitierte physische Edition mit formidablen Bonus-Remixen von No Sleep By The Machine, MRDTC und Escalator ist so gut wie ausverkauft, kann aber digital bei Bandcamp gezogen werden, und dazu wird nachdrücklich geraten.
Jörn Karstedt

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2013.