CD-Rezension / Review / Kritik

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aesthetic perfection til death

Aesthetic Perfection
„’Til Death”
(Metropolis Records/Import)
Auf krachig-sphärische Intros voll der raffinierten Percussions folgen Songs erfrischend simpler Analog-Sequenzen und 80er Jahre Electro-Wave-Ästhetik: Daniel Graves entfernt sich, des Risikos vollkommen bewusst, von seinen Aggrotech-Wurzeln – und erschafft ein Album von überzeugender, zuweilen durchaus hart konturierter Pop-Attitüde. Dass er zu melodiösen, eingängigen Gesängen fähig ist, hat er schon auf vorhergehenden Veröffentlichungen bewiesen. Dass der hellere, vom harten Industrial fortführende Aspekt seiner Schaffenskunst derartig dominiert, ist indes nicht erwartbar gewesen. Zuweilen erschafft Graves sogar Songs, die wie Ausflüge in Glam-Rock-Gefilde wirken („Big Bad Wolf“, „The Dark Half“) – selbstverständlich erreicht er dies mit elektronischen Mitteln. Die bewusste Hinwendung zu einfachen Pop-Lyrics („You look so good, I’ll never let you go“) bewerkstelligt er mit einem Augenzwinkern, einer guten Portion hintergründigen Humors. Und plötzlich erstehen auch wieder rauere Passagen, fast unmerklich modifiziert er seine Stimme hin zu aggressivem Shouting und kehrt alsbald wieder elegant zur Melodie zurück. Daniel Graves spielt mit den Genres: das Spiel eines Workaholic, eines Genialischen, eines Till Eulenspiegels. Die Bedeutung seiner Texte möchte er im Vagen belassen. „Man ruiniert doch nur die Magie von Songs, wenn man als Songschreiber zu viel von ihnen preisgibt.“ Nun denn.
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2014.

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