CD-Rezension / Review / Kritik

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The Brian Jonestown Massacre Third World Pyramid CD Rezension

The Brian Jonestown Massacre „Third World Pyramid“

(A Records/Cargo)
Man erinnere sich: Früher war Arthur Newcombe, einziges festes Mitglied von The Brian Jonestown Massacre, kompromisslos drauf – im doppelten Sinne. Newcombe veröffentlichte vernebelte Psych-Rock-Alben am Stück und hätte nie wie die geistesverwandten The Dandy Warhols mit „Bohemian Like You“ einen Song an die Werbung verschachert. Tut er auch heute nicht – doch der drogeninduzierte Wahnsinn von Platten wie „Who Killed Sgt. Pepper?“ gehört der Vergangenheit an, und statt um Wodka, Koks und Shit kümmert sich der nach Berlin übergesiedelte Amerikaner nun um seine Familie und um sein Label A Records. Und um seine Band, mit der er das 15. Album vorlegt. Und das sieht die Dinge wie der Vorgänger „Revelation“ und eine Zwischendurch-Platte mit imaginierten Filmmusiken äußerst locker – lediglich „Assignment Song“ erinnert in knappen zehn Minuten an die früheren halluzinogenen Eskapaden. Ansonsten tritt „Government Beard“ den Beweis an, dass The Brian Jonestown Massacre eigentlich The Velvet Underground ein halbes Jahrzehnt später sind, kickt der Titelsong Space-Rock-Uptempo, fährt „Oh Bother“ Western-Twang und Burrito-Bläser auf und gibt „Like Describing Colors To A Blind Man On Acid“ trotz seines Titels eine feine Indie-Perle ab. Nur ein wunderbar groovender Hit wie „Food For Clouds“ fehlt – doch den schreibt selbst Newcombe eben nur einmal pro Jahrzehnt. Der Grundsatz „Let’s Go Fucking Mental“ gilt zwar nach wie vor – findet aber im Kleinen statt. Mit groß auftrumpfendem Ergebnis.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2016.
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