CD-Rezension / Review / Kritik

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Aborym Shifting Negative CD Cover

Aborym „Shifting Negative“

(Agonia Records/Soulfood)
1992 in Taranto, Italien, gegründet, veröffentlicht diese Industrial-Formation hiermit ihr siebtes Album, Nachfolger des 2013er Werks „Dirty“. Illustre Gastmusiker lud Mastermind Fabban hierzu ein wie Sin Quirin (Ministry) oder Victor Love (Dope Stars Inc.) Einige Tracks sollten Herrn Trent Reznor genau denselben Gedanken einpflanzen wie Nivek Ogre oder cEvin Key angesichts neuzeitlicher Veröffentlichungen: „Wie kommt’s, dass die Leute unser Frühwerk so oft und enthusiastisch kopieren? Als ob es besser wäre als die Spätphase! Sollten wir zum Anfang zurückspringen – und es allen zeigen?!“ Ja, das solltet ihr. Denn was Klangbehandlung, Songaufbau, kompromisslos-jugendliches Dynamik-Spiel industrialiner Kunst angeht, so mögt ihr endlich euren Epigonen zeigen, dass ihr’s noch besser könnt. Aborym zum Beispiel legen die Messlatte durch stürmisch-enthusiastische Freude an Wiederbelebung typischer Industrial-Elemente einigermaßen hoch – obgleich: es werden zu viele Tracks zu inbrünstig zerhackstückelt in ewigen Part- und Tempo-Wechseln. Doch was für herrliche Schmierriffs, elegant ins Arrangement gleitende Gitarren-Breitseiten, verspielte Reduktionsparts und dreckig-laszive Passagen gibt es zu erhorchen! Ob es richtig ist, auch gesanglich zuweilen genau wie Trent zu klingen, mag dahin gestellt sein. Einige Nine Inch Nails-Fans aber, die sich nach 1994 oder 1999 zurücksehnen und hernach womöglich eine sich langsam reduzierende Liebe zum Genreschöpfer festgestellt haben, mögen sich eher freuen und einfach murmeln: „Is’ doch geil.“
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2017.