CD-Rezension / Review / Kritik

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the cranberries something else 2017
The Cranberries
„Something Else“
(BMG Rights/Warner)
Wie viele andere erfolgreiche Gruppen so mussten auch The Cranberries feststellen, dass den Soloambitionen ihrer Mitglieder nicht immer ein genauso großes Interesse entgegenschlägt wie der Band, mit der sie groß wurden. Anfang der Nuller, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, zerstreuten sich die Cranberries in alle Winde, um neue musikalische Herausforderungen zu suchen. Dolores O’Riordans Soloalben verkauften sich zwar, aber bei weitem nicht so wie es bei ihrer Band der Fall war. Noel Hogan dagegen hatte mit neuen Bands weniger Glück. Als die Iren Ende 2009 ihre Reunion verkündeten und mit „Roses“ ein neues Album veröffentlichten, hatten alle Kinder der Neunziger einen Grund zum Feiern. Allerdings gehen The Cranberries seit ihrer Wiedervereinigung die Dinge ruhiger an, touren nur gelegentlich, wagen sich an Projekte, die für die Band vor 20 Jahren noch völlig unmöglich erschienen. Wie „Something Else“, eine Werkschau, die aber keine Best Of ist. Mit dem Irish Chamber Orchestra hat die Band ein Akustikalbum eingespielt, das Hits wie „Dreams“, „Animal Instinct“, „Zombie“ oder „Linger“ ganz anders interpretiert. Wo früher jugendlicher Sturm und Drang herrschte, zeigt sich mit Jahren Abstand eine neue Nachdenklichkeit. Wunderschön eingebettet in zeitlose Melodien, die schon immer den besonderen Reiz der Cranberries ausmachten, und doch kraftvoll getragen von Dolores’ Stimme. Die drei neuen Songs „Glory“, „Rupture“ und „Why?“ fügen sich nahtlos in das große Ganze ein und wirken fast, als seien sie in den späten Neunzigern geschrieben worden. Das Schöne an „Something Else“ ist, dass die Streicher die Songs wachsen lassen, anstatt sie mit einer süßlichen Klassik-Sauce zu überziehen. Bei allem Hang zum Pop, den die Cranberries als gute Alternative-Songwriter immer hatten, wäre dies zu viel des Guten gewesen. So aber ist „Something Else“ wirklich was anderes als eine gewöhnliche Greatest Hits. Selbst alte Fans entdecken hier noch neue Seiten an Songs, die sie schon lange zu kennen glaubten.
Torsten Schäfer



Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017


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