CD-Rezension / Review / Kritik

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azier rouge 2017
Thomas Azier
„Rouge“
(Island/Universal)
Metropolen-Hopping mit Thomas Azier: Nahm er sein 2014er Debüt „Hylas“ noch in einem zugigen Fabrikloft in Berlin auf, wo er zehn Jahre residierte, zog es den Niederländer nun nach Paris, woraus sich der französische Titel des Albums mit dem roten Faden erklärt. Wer sich an Aziers Erstling vor allem wegen des Dance-affinen, voluminösen Electro-Pop und des bombenden Singlekrachers „Ghostcity“ erinnert, könnte aufs erste Ohr von „Rouge“ gelinde enttäuscht sein: Der von The Døs Dani Levy produzierte Longplayer wählt oft eine filigranere Ästhetik als „Hylas“, Azier setzt sich ein ums andere Mal ans Klavier und erinnert dabei öfter an Indie-Crooner wie Patrick Wolf oder Perfume Genius als an aufgepumpte Hurts ohne Mehlsoßen-Überdosis. Erst allmählich werden die Songs beweglicher: „Gold“ hätte sich auch gut auf Digitalisms „Mirage“ gemacht, „Berlin“ rekapituliert als geschwinder technoider Flitzer die Jahre in der Hauptstadt, während das in gemächlichem, aber sattem Stakkato marschierende „Crucify“ der Electro-Folk-Feuerwalze „Malignant“ von Ed Tullett kaum nachsteht. Und so reichen 33 Minuten für ein Album, das gleichermaßen als Singer-Songwriter in elektronisch und als Clubmusik durchgeht. Und „Rouge“ macht bei beidem eine hervorragende Figur.
Thomas Pilgrim



Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017



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2016 Sonic Seducer Magazin

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