CD-Rezension / Review / Kritik

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antivote dark times 2017
Antivote
„Dark Times“
(Echozone/Bob-Media)
Nachdem ihr Debütalbum „Visions Of Crime And Pain“ trotz ansprechender Stimmung und solidem Songwriting noch ein wenig zu sehr an Detailmängeln laborierte, kann man Mirko Padubrin, Ronny Uphold sowie Sebastian ‚Vogte‘ Voigtmann aus der Gegend um Zwickau zu ihrem Zweitling „Dark Times“ nur gratulieren. Insbesondere gefällt der zurückhaltend intonierte Gesangsvortrag, der zwischen Raunen und Flüstern ein sich konsequent desillusioniert gerierendes Album durchzieht. Dass insgesamt eine eher weinerliche als aufmüpfige Stimmung geschürt wird, passt dabei perfekt zu einem Songmaterial, das in Momenten einer mental geschwächten Konstitution gleichermaßen zu Seufzern und Tränen zu rühren vermag. Aber es soll ja Leute geben, die aus melodiös gestalteter Trauerarbeit und hoffnungslos gewichtender Introspektion Glücksgefühle ableiten, nicht wahr?! Für diese Klientel eignet sich „Dark Times“ in hervorragender Weise. Die Versuchung, Antivote dennoch das Abrufen thematischer Standards oder ihr konsequentes Verharren in Midtempobereichen zum Vorwurf machen zu wollen, würde jene erfreulich klare künstlerische Position verfehlen, die das sächsische Trio einnimmt. Fragwürdig bleibt nur, ob die Wahl der Coverversionen gleich auf zwei absolute Klassiker („A Forest“, „New Life“) fallen musste. Wer mit dem beinahe als schüchtern zu bezeichnenden Grundton nicht zurechtkommt, dürfte sich aufgrund der somit riskierten Fallhöhe dazu berufen fühlen, Antivote scharf zu kritisieren. Ich nicht.
Stephan Wolf



Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017



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