CD-Rezension / Review / Kritik

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broncho double vanity

Broncho
„Double Vanity“
(Dine Alone/Caroline/Universal)
Faustregel: Je kürzer die Stücke, desto Punk. So gesehen haben sich Broncho aus Norman, Oklahoma seit ihrem gerade einmal 20-minütigen Debüt „Can’t Get Past The Lips“ kontinuierlich von diesem wegbewegt: Album Nummer drei kommt locker auf die doppelte Spielzeit. Wozu man aber auch wissen muss, dass das Quartett um Sänger und Gitarrist Ryan Lindsey inzwischen die Kunst der Verzögerung pflegt: „Double Vanity“ verschärft nur selten einmal das Tempo und suhlt sich stattdessen ausgiebig in mit einem urbanen Surf-Beat unterlegten Gitarren-Reverbs, zu denen die Stimme oft gedoppelt durch Hallräume irrt. Da sind schluffige Indie-Rocker wie King Tuff oder Jaill genauso zum Greifen nahe wie die schleppenden The Jesus And Mary Chain der „Darklands“-Phase, in der Jim Reid ähnlich phlegmatisch zu nuscheln pflegte wie Lindsay auf der Single „Fantasy Boys“ oder in „Soak Up The Sun“ – übrigens keine Sheryl Crow-Coverversion, wie findige Formatradiohörer vielleicht argwöhnen könnten. Mitunter schleicht sich in Songs wie „Señora Borealis“ oder „Speed Demon“ auch ein suizidär pumpender Groove ein, womit auch alle bedröhnten Slacker zufrieden sein dürften, die es ab und zu auf die Tanzfläche zieht. Und wer dabei die schimärenhaften Spiegelungen auf dem Cover vor dem geistigen Auge hat, sieht sicher auch blinkende Lichter, wenn gar keine da sind. Alles so schön bunt hier.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2016.
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2016 Sonic Seducer Magazin

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