CD-Rezension / Review / Kritik

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band of horses why are you ok

Band Of Horses
„Why Are You OK“
(Caroline/Universal)
Ben Bridwell, der Hauptsongwriter hinter Band Of Horses, ist ein Schlitzohr: Erst fordert er die Geduld des Rezipienten mit dem siebenminütigen Opener-Doppel „Dull Times/The Moon“ heraus, wenig später singt er über die fürchterlichen Gespräche mit langweiligen Typen auf Vorstadtpartys („Casual Party“) und verpackt das Ganze ausgerechnet in eine fluffige, dynamische Nummer mit Radiopotenzial. „In A Drawer“ ist sogar noch ein Stück poppiger und wartet mit Backing-Vocals von Alternative-Urgestein J. Mascis (Dinosaur Jr.) auf. „Warum nicht gleich so?“, möchte man Bridwell fragen. Wahrscheinlich würde er grinsend die Schultern zucken. Der Mann hat einfach keine Lust, Erwartungen zu erfüllen. So folgen auf den Hit dann auch erst mal ein unmotiviert wirkendes, kurzes Instrumental und das sanfte, ja fast ein bisschen lethargische „Lying Under Oak“. Klarer Fall: Die Energie ist nun futsch und muss mit dem Stampfen des Country-inspirierten „Throw My Mess“ erst wieder zurückgewonnen werden. Hier kann man zwischendurch an Tom Petty denken. „Country Teen“ hingegen enthält Spurenelemente von Simon & Garfunkel. Das liest sich bieder. Produktion (Rick Rubin) und Arrangements bewahren die Songs aber stets vor einem Übermaß an Gefälligkeit – so versöhnlich der Gestus der Musik letztlich auch bleibt. „Why Are You OK“ ist kein Album, das einen mit Macht umhaut, aber eine Sammlung von Momentaufnahmen, die mit der Zeit ein paar wirklich liebenswerte Schrullen preisgeben.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2016.
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