CD-Rezension / Review / Kritik

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audion alpha

Audion
„Alpha“
(!K7/Indigo)
DJ, bleib bei deinen Leisten: ein Grundsatz, dem Matthew Dear ab und zu mal untreu wird. „Beams“, sein 2012er Album unter eigenem Namen, war eine wavig-songorientierte Pop-Angelegenheit, und mit John Foxx And The Maths nahm der Detroiter das Stück „Talk (Beneath Your Dreams)“ auf. „Suckfish“, der bisher einzige Longplayer seines Techno-Projekts Audion, hat elf Jahre auf dem Buckel – es wurde also Zeit, dass Dear mal wieder die Schaltkreise heißlaufen, die Sequenzen wobbeln und die Filter rotieren lässt. Und auf den 13 neuen Audion-Stücken präsentiert er sich als ein ähnliches Alphamännchen der elektronischen Abfahrt wie etwa der gleichgesinnte Kollege Richie Hawtin alias Plastikman, auf dessen Label M-Nus schon etliche Dear-Platten erschienen. Stets die richtigen Knöpfe drückt der Amerikaner hier nicht nur beim Acid-lastigen „There Was A Button“ oder den auf links gezogenen Stimm-Samples von „Gut Man Commeth“: In der Verlosung befinden sich mit „Destroyer“ auch schranziges Gepolter, luftigere Techno-Tracks wie „Traanc“ und „Sucker“ und natürlich gewaltig aufgepumpte Bässe, die beim imposanten Abschluss „Sicko“ die größten Ausschläge verursachen. Vocals? Gibt es höchstens, sofern sie so zerspant und hyperreal wirken, dass man sie gar nicht mehr als solche erkennt. So klingt ein Triumph der Maschine.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2016.