CD-Rezension / Review / Kritik

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The Boxer Rebellion Ocean By Ocean

The Boxer Rebellion
„Ocean By Ocean“
(Amplify Records/Rough Trade)
Zuweilen könnte man The Boxer Rebellion für echte Naturburschen halten. Ihre Cover zeigen neblige Flussläufe, welke Herbstblätter und Turmspringer vor blauem Himmel, sodass die Airbrush-Welle im Artwork von „Ocean By Ocean“ dagegen beinahe künstlich wirkt. Alle, die den Briten seit ihrem letzten Album „Promises“ hartnäckig eine zunehmende Coldplay-Werdung vorwerfen, mögen das symptomatisch finden. Wer sich jedoch auf diese zehn Songs einlässt, wird im hymnischen Indie-Rock des Quartetts nicht nur musikalische Vielfalt, sondern auch inhaltliche Tiefe entdecken. Würde Tom Smith nur noch Falsett singen, wäre der elektronisch klöppelnde Opener „Weapon“ auf Editors’ „In Dream“ zum Beispiel bestens aufgehoben, bevor „Big Ideas“ im Sauseschritt und mit fidelen Gitarren-Delays U2 zu „The Joshua Tree“-Zeiten nachmodelliert und belegt, dass Stadion-Rock kein schmutziges Wort sein muss. Neben den flockigen, raumgreifenden Ohrwürmern „Let’s Disappear“ und „Keep Me Close“ werden die melancholischen Seufzer in der zweiten Albumhälfte zahlreicher und erreichen im breit angelegten „Let It Go“ ihren Höhepunkt, wenn Sänger Nathan Nicholson zuerst mit der eigenen Sterblichkeit hadert, aber am Ende doch lieber die Welt umarmt. Und all das sollen Coldplay bitte erst einmal genauso gut hinkriegen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.
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