CD-Rezension / Review / Kritik

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berlin babylon-villains these days


Berlin Babylon
„Villains These Days“
(Infacted Recordings/Soulfood)
Episch heißt das Zauberwort. Oder zumindest ist es das passende Adjektiv, um zu beschreiben, wie es sich anhört, das Intro „Night Talk“ des ersten gemeinsamen Albums von Jocelyn Laflamme und Sebastien Turcotte alias Berlin Babylon. Die Kanadier versprechen viel und halten noch viel mehr. Einen ziemlich quietschigen und ebenso sehr poppigen Start legt „Hero“ hin. Ist das jetzt Synthpop der härteren Gangart oder schon Industrial, fragt man sich bei „About The Villains“, der den roten Faden politischer Kriminalität auf „Villains These Days“ thematisiert. Fluffig wie frisch aufgeschlagenes Mousse au Chocolat kommt dagegen „Meaning“ daher. Klingt verdammt nach elektronischer Kirmesmusik, was aber durchaus nett gemeint ist. Schließlich sind harte Beats so etwas wie täglich elektronisches Brot, das man in der Szene nur allzu gerne serviert bekommt. Da sorgen Sebastien und Jocelyn wenigstens mal für eine frische Brise und ein wenig Abwechslung. So auch mit „Hello My Dear“ sowie den zwei härteren Nummern „Cry For Help“ und „In Silence“, wobei letzterer ohne Gesang auskommt. Das Ende von „Villains These Days“ wird ebenso pompös inszeniert wie der Anfang und zwar mit dem opulenten Instrumentalstück „End Of Night“. Berlin Babylon liefern mit „Villains These Days“ eine wirklich außergewöhnliche Mischung aus Synth- und Futurepop ab. Immer melodiös und auch ab und an mal etwas härter – ein wirklich gelungenes Debüt.
Maria Madaffari

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.