CD-Rezension / Review / Kritik

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laura carbone sirens

Laura Carbone
„Sirens“
(Duchess Box Records/Rough Trade)
„Mama geht jetzt steil“, versprachen Deine Jugend auf ihrem Debüt 2010. Doch auch diese Jugend wird mal älter – wie ihre Sängerin Laura Carbone. Natürlich ändern sich mit der Zeit die Bezugspersonen: Streiche Mama, setze dafür PJ Harvey, Courtney Love oder die Rrriot-Grrrl-Bewegung. Aber nicht nur diese Einflüsse sorgen dafür, dass Carbones erstes Soloalbum „Sirens“ elf eindrucksvolle Songs mit enormer stilistischer Bandbereite und unüberhörbaren internationalen Ambitionen enthält. Andere Musikerinnen würden sich womöglich in der Vielfalt von angedüstertem Surf-Rock, New Wave, Post-Punk oder Torch Song verrennen, doch Carbone weiß ganz genau, was sie will: viel. Nach dem schwermütigen Auftakt „Silky Road“ erweist sich „Sirens“ als aufgeräumte und teilweise unverschämt eingängige Veranstaltung: „Swans“ oder „Favorite Disease“ preschen zu knurrigen Riffs mit tanzbarem Elan nach vorne, „Late Night Conversations“ räumt unbeschwert-poppig Beziehungstrümmer aus dem Weg, während „Exes“ den Verflossenen zu verspielt bimmelndem Arrangement ein letztes Mal fast mitleidig hinterherwinkt. „Plan Of Attack“ dagegen gemahnt mit massiver Stromgitarren-Power gar an Black Rebel Motorcycle Clubs „Berlin“. Womit man jedoch auf dem falschen Dampfer ist: Carbone operiert nach wie vor hauptsächlich von Mannheim aus und sieht die Hauptstadt höchstens ein paar Tage lang gern. Ein Album wie „Sirens“ hören wir dagegen gerne am Stück. Immer und immer wieder.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2015.