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stahlmann bastard

Stahlmann „Bastard“

(AFM Records/Soulfood)
Die Göttinger NDH-Recken schreiten souverän weiter auf ihrem durchaus individuellem Pfad innerhalb des Genres, das sie erwählten: mit „Bastard“ legen sie vermutlich ihr bis dato stärkstes Opus vor, welches die Eigenständigkeit der Band weiterhin untermalt. Denn siehe! sie ruhen sich weder auf ihren Lorbeeren noch auf der bislang erschaffenen Klangsprach-Palette aus. Selbstredend präsentieren die Mannen um Sänger Mart weiterhin voluminöse Gitarrenriffs, den Hörer direkt und erbarmungslos anspringende Songs, knackige Hooklines, einen unnachgiebigen Electro-Sockel und charmant knarzende Vocals – doch darüber hinaus erweitern sie ihr Spektrum, streben nicht nur zu bisher unerreichten Karriere-Ufern, sondern auch zu musikalischen. Man mag es wie folgt umschreiben: Wo sie frontal und direkt sein möchten, bieten sie heuer eine noch massivere Kompaktheit, eine gesteigerte Knackigkeit, die auch durch instrumentale Dichte nicht verwässert wird („Leitwolf“; „Bastard“). Darüber hinaus entdecken die Musiker zunehmend ihr Faible für balladeske Atmosphären, für Streicherarrangements, flüssige Sologitarren und variationsreichere Vocal-Images – und Mart baut seine Fähigkeit zu Texten metaphorischer Eleganz weiterhin aus („Schwarz & Weiß“; „Von Glut zu Asche“). Hass, Zorn, Rachedurst, doch auch durchdringende Liebesgefühle werden in gelungener Bildsprache dargestellt, wobei unter anderem auffällt, dass Umschreibungen von Sexualität nicht, wie sonst im Genre üblich, mit der geifernden Freude an Missbrauch und Erniedrigung einhergehen, sondern voll der einfallsreichen, zuweilen leicht augenzwinkernden, stets ehrlich wirkenden Emotionalität sind („Supernova“). Hier wird eben nicht der gemeine Meuchelmord hochstilisiert; es werden fundamentale Regungen wie Wut, Verletzlichkeit, Standhaftigkeit in Klänge überführt.
Kym Gnuch



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