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depeche mode spirit

Depeche Mode „Spirit“

(Columbia/Sony)
Verdammt, schon wieder keine Hymne! Verdammt, schon wieder kein Radiohit! Was erlauben die sich eigentlich? Haben ohne ihre Fans zu fragen seit 1990 kein Popalbum mehr herausgebracht, sich angemaßt, Unerwartetes zu tun und genau gegen den Trend zu agieren. Hantieren plötzlich mit Klampfe und Schlagzeug, als die ganze Welt auf Techno ist, lassen in düstersten Zeiten die Sonne rein und legen einen fast zwanghaften Minimalismus an den Tag, während alle anderen nach der gewaltigsten Produktion streben. Und jetzt auch das noch: Das sperrigste und finsterste Werk der Bandgeschichte, unüberhörbar politisch gefärbt. Geht’s noch? Klar. Nur so geht es, sonst wären Depeche Mode schon lange Geschichte. Die Frage ist nicht, ob sie es nicht mehr können. Sie wollen ganz einfach nicht. Sie wollen es den Hörern partout nicht einfach machen. Während der euphorische Albumöffner „Going Backwards“ und vielleicht noch „So Much Love“ mit seinem treibenden Analogbass und das klassisch-melodiöse „No More“ halbwegs glatt reingehen, stellt sich der Rest zunächst konsequent quer. Fehlende Refrains und generell kaum ordinäre Songstrukturen, abwegige Rhythmik, Krach, Rauschen, Distortion sogar auf dem Gesang – nach 50 Minuten fühlt man sich wie gerädert. Wer „Spirit“ nun wütend in die Ecke schmeißt, begeht einen kapitalen Fehler, denn wie das nun mal mit Musik komplexer Natur ist: Sie möchte entwirrt werden und benötigt etwas von einem kostbaren Gut, genannt Zeit. Und dann passiert es: Das monströse „Scum“ wird zahm, „You Move“ unwiderstehlich, das bluesige „Poison Heart“ entpuppt sich als bestes von Dave Gahan geschriebenes Stück bis dato, die krummen Gore-„Balladen“ glätten sich und bei „Cover Me“ ist sowieso alles vorbei. Man möchte, sanft gewogen vom Südsee-Twang, hemmungslos heulen vor Glück. Wem 30 Jahre danach noch der Sinn nach Synthiepop steht, hört halt Synthiepop, wer ein verdammt gutes Album erleben will, beschäftigt sich bitte mit „Spirit“.
Jörn Karstedt
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