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new order music complete

New Order
„Music Complete“
(Mute/Goodtogo)
Das Album, die Zerreißprobe. Können New Order ohne Peter Hook bestehen? Denn ganz gleich, welcher Laune die Manchester-Legende folgte: Die Pfeiler ihres unverwechselbaren Sounds waren immer die helle, fast knabenhafte Stimme Bernard Sumners und das traurige Bassspiel Hooks. Ganz am Anfang, als Ian Curtis’ Tod verarbeitet wurde, in den poppigen Achtzigern, housigen Neunzigern und zuletzt, was 2005 bedeutet, bevor der Basser die Band verließ. Die Konzerte der letzten Jahre ließen die Annahme zu, „Music Complete“ festigt sie: Die Rolle Hookys ist möglicherweise überschätzt worden. Das Phänomen New Order begründet sich mehr in Songwriting und Stimme denn im Wirken eines Musikers - wie prägnant dieses auch stets gewesen sein mag. Denn Sumner wagte gar nicht erst den Versuch, die Position 1:1 neu zu besetzen, er lässt Tom Chapman einfach machen, sein eigenes Ding, das eher im Hintergrund wirkt. Und auch das funktioniert. Vordergründig ist das Comebackalbum ein modernes, halb elektronisches, halb akustisch instrumentiertes Werk, das kleine Zitate aus mehr als drei Dekaden New Order versteckt und nicht vor stilistischen Exkursionen zurückschreckt, die die alte Band eher scheute. Oder erinnert man sich ad hoc daran, dass Italo Disco Platz eingeräumt wurde, dicke Techno-Beats durch die Songs stampften oder Gastsänger nicht nur Schlange standen, sondern auch rangelassen wurden? „Bitte nicht!“, mag es so manchem Fan nun durch den eigentlich vorfreudig erregten Körper fahren, und das völlig zu Unrecht. Mehr New Order als „Music Complete“ geht gar nicht, es geht auch kaum besser, egal, ob man den gitarrigen oder elektronischen Charakter der Band bevorzugt. Um Sumners eigene Worte im Song „Plastic“ zu benutzen: It’s official, you’re fantastic!
Jörn Karstedt





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