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2015 vnv nation resonance

VNV Nation
„Resonance - Music For Orchestra Vol. 1“
(Anachron Sounds/Soulfood)
Es soll ja Leute geben, die an Äpfeln nur das Kerngehäuse zu schätzen wissen. Oder an VNV Nation nur die konsequent auf BPM getrimmten Smasher. Vermutlich wird nur diese statistisch kaum erfassbare Randgruppe die vollendet veredelte Herzensangelegenheit des Ronan Harris kalt lassen. Alle anderen wird „Resonance“ erfreuen, ergreifen oder gar zu Tränen rühren. Punktum. Denn was der Initiator gemeinsam mit dem Arrangeur Conrad Oleak und dem Filmorchester Babelsberg erschaffen hat, ist eine betörend ausformulierte Machtdemonstration des voluminösen Wohlklangs und des Klang gewordenen Sentiments, die unablässig dramatische Reiz- und Kontrapunkte setzt. Eine Produktion, die bei aller Detailversessenheit, bei aller Perfektion von Ausführung und Aufzeichnung, den beiden Hauptakteuren - Stimme und Orchester - stets einen mehr als ausreichend groß dimensionierten Raum gewährt, um ihn mit Emotion, mit Wärme und Nähe ausfüllen zu lassen. Dabei ist es Ronan Harris hoch anzurechnen, dass er erst gar nicht den Versuch unternimmt, sich als technisch beschlagener Solosänger zu exaltieren. Ganz gleich, ob er das für den großen Rahmen prädestinierte („Nova“, „Illusion“) oder das atemberaubend umarrangierte Liedgut („Solitary“, „Sentinel“) intoniert, seine Stimme wirkt stets so ungekünstelt und natürlich, so stark und verletzlich, wie sie bisher noch nie zu vernehmen war: Ecce homo.
Stepahn Wolf
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