CD-Rezension / Review / Kritik

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Yello Live In Berlin CD Cover

Yello „Live In Berlin“

(Polydor/Universal)
Da bebte das Kraftwerk Mitte: Im Oktober 2016 traten Yello erstmals seit gefühlten Ewigkeiten wieder live auf – gleich viermal hintereinander. Die „Tagesthemen“ berichteten, die popkulturkritische Presse maulte vorhersehbar „der ganze Abend war ein Desaster“ – und alle Tage waren ausverkauft. Im Gepäck hatten Dieter Meier und Boris Blank vor allem ihr einen Monat zuvor erschienenes Album „Toy“, sodass sich die Setlist von „Live In Berlin“ zur Hälfte aus brandaktuellen Songs zusammensetzt. Doch wer wollte ernsthaft etwas gegen den knochentrockenen Vorhöllen-Boogie „Limbo“, den eisigen Maschinen-Funk von „Tool Of Love“ oder die karikierte Disco-Miniatur „Cold Flame“ sagen? Na also. Für eine richtiggehende Zeitreise durch die Bandgeschichte kann das restliche Programm folglich kaum ausreichen, auch wenn der ebenfalls vertretene Boris Blank-Solotrack „The Time Tunnel“ Derartiges suggeriert – die notorischen Hits „Oh Yeah“ und „The Race“ sowie die frühen Klassiker „The Evening’s Young“ und „Bostich“ sind aber selbstverständlich trotzdem mit von der Partie. Heuler der Veranstaltung jedoch: die rabiate Electro-Fuzzbombe „Si Señor (The Hairy Grill)“ vom „One Second“-Album. Auf dieser Doppel-CD naturgemäß nicht im Bild: Blechbläser, Gitarre, Percussions, Backgroundchor, Malia aus Malawi und die Chinesin Fifi Rong als Gastvokalistinnen nebst Video-Projektionen aus den tiefsten Achtzigern – doch dafür gibt es ja die parallel erscheinenden DVD und Blu-ray. Man höre, sehe und staune.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2017.
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2017 Sonic Seducer Magazin

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