CD-Rezension / Review / Kritik

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VAlhAll Grimoire CD Cover

Valhall „Grimoire“

(Artoffact/Cargo)
Orange is the new black? Von wegen. Bei V?lh?ll aus Schweden geht es zumeist pechschwarz zu – auch wenn das gemischtgeschlechtliche Duo es irgendwie geschafft hat, mit Jessica Pimentel eine Darstellerin aus der eingangs erwähnten Netflix-Serie als Gastmusikerin auf sein zweites Album zu lotsen. Mit Heavy Metal, dem die Schauspielerin bei ihrem musikalischen Standbein Alekhine’s Gun frönt, hat „Grimoire“ jedoch nicht das Geringste am Hut: Nicht umsonst steuert die Amerikanerin hier eine Geige bei – eins der vermutlich Rock-fernsten Instrumente also. Bereits die Dreiecke im Bandnamen verorten V?lh?ll im Witch House – und richtig: Entwurzelt daherwankende Electro-Hop-Grooves und düstere Delays sind Hauptbestandteil der neun gedrückten Tracks, die sich eindringlich ins Bewusstsein des Hörers bohren. Holt die männliche Hälfte der Skandinavier in „Bonetrees“ oder „Lilies For Belial“ dabei zu zwischen bösem Flüstern und finsteren Growls changierenden Vocals aus und klingeln und rasseln die Percussions unheilvoll, möchte man zudem sofort das „Disease“-Album der semi-legendären Industrial-Kalifornier GGFH hervorkramen. Und auch wenn himmlischer Frauengesang gen bewölkten Himmel entschwebt, nehmen sich Genreverwandte wie Purity Ring, Crystal Castles oder Salem gegen „Grimoire“ wie unbekümmerte Rumpelkapellen aus. Netflix & Chill empfiehlt sich also nicht, wenn dieses Album läuft – genaues Hinhören und abgedunkelte Räumlichkeiten dafür umso mehr.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2018.
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Thursday the 20th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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