CD-Rezension / Review / Kritik

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Bianca Stücker The Glass Coffin CD Cover

Bianca Stücker „The Glass Coffin“

(Equinoxe/Nova MD)
Renaissance-Glam-Pop? Tribal-Steam-Music? Gothic-Hackbrett-Hop? Man könnte sich stundenlang damit vergnügen, wilde Stilbezeichnungen für das zu kreieren, was Bianca Stücker auf diesem Album vorlegt. Das ist ein gutes Zeichen, zeugt es doch von der Vielschichtigkeit und erfrischenden Sorglosigkeit der Künstlerin beim Jonglieren mit verschiedensten Ideen. In diesem gläsernen Sarg findet sich weit mehr als nur eine Dame, die sich beim hastigen Obstverzehr verschluckt hat. Die Kiste ist eine wahre Fundgrube an großen und kleinen Überraschungen. Klingt da im Hintergrund von „Something To Remember“ nicht ein wenig EMF-Tastatur an? War das in „In The Midst Of Life“ nicht eben ein barock anmutendes Cembalo? Und hier: ein „Automat“, der tatsächlich noch den guten alten Electroclash knarzt! Die orientalischen Aromen von Projekten wie The Violet Tribe oder Violet klingen zwischendurch ebenso an wie die verspielte Hinterhofelektronik der frühen Stücker-Schöpfung VaNI. Ihren Feinschliff erhält die detailreich arrangierte Sammlung schöner Melodien und unterschiedlicher Stimmungen durch den Mix und einige Extras aus der Soundschmiede von Winus Rilinger (The Eternal Afflict). Unverbesserliche Individualisten und Massengeschmacksverächter: Diese Scheibe ist wie für Euch geschaffen. Die Dame mit dem lasziven LoFi-Swing wartet bereits im Empfangszimmer.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2017.
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2017 Sonic Seducer Magazin

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