CD-Rezension / Review / Kritik

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justin nozuka ulysees

Justin Nozuka
„Ulysees“
(Glassnote/Caroline International/Universal)
Eins vorweg: Justin Nozuka kann nichts dafür. Es ist schließlich nicht die Schuld des Kanadiers, dass sich ausgerechnet der deutsche ESC-Teilnehmer Roman Lob dessen Stück „After Tonight“ für die dem Song Contest vorausgehende Castingshow einverleibte. Den sensiblen Singer-Songwriter also bitte nicht in eine Schublade mit bemützten Schmalzonis und piepsenden Sternchen packen: Nozuka hat weit mehr drauf, wie sein drittes Album beweist. Dieses bedarf lediglich körperloser Akustikgitarre, eines dahingetupften Pianos und der hohen, fast zärtlich phrasierenden Stimme – alles produziert vom jungen Mann aus Toronto höchstselbst. Und kommen sachte Beats offenbar elektronischer Machart hinzu, muss man unweigerlich an die so genialischen wie emotional schwerwiegenden Songbrachen des eigenbrötlerischen Post-Dubstep-Briten James Blake denken. Mächtig wobbelnde Subbässe wird man in diesen preziösen Miniaturen natürlich nicht finden, dafür jede Menge Details, fragile Acappella-Parts und anrührende Anrufungen wie die Single „Right By You“. Der junge Mann aus Toronto mag zwar ein schüchterner Gefühlsmensch sein, der seine Songs anderen nur ungern vorspielt – bei einem Album wie „Ulysees“ dürfte sich genau das aber nicht lange vermeiden lassen. Nur in die Castingshows und Song Contests dieser Welt wird es Nozuka vermutlich nie schaffen. Zum Glück.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.


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