CD-Rezension / Review / Kritik

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Erasure World Beyond CD Cover

Erasure „World Beyond“

(Mute/Rough Trade)
Über das Brüsseler Echo Collective wird auch über diese zunächst einmal befremdlich anmutende Veröffentlichung hinaus noch zu reden sein, steht doch als nächstes ihre Neueinspielung von „Amnesiac“ in den Regalen. Ihr wisst schon, Radiohead. Doch eins nach dem anderen. Vince Clarke erwog, zumindest einem Song des aktuellen Erasure-Albums  „World Be Gone“ eine Ausweitung der Kampfzone angedeihen zu lassen. Da hatte er wohl noch nicht mit der Begeisterungsfähigkeit des von ihm angefragten Septetts gerechnet, das sein Anliegen mit dem Vorschlag konterte, doch gleich das gesamte Album neu aufzuziehen. So nahm das kleine Wunder namens „World Beyond“ seinen Lauf. Und Andy Bell die sich nun bietende Gelegenheit wahr, eine der ergreifendsten Performances seiner Sangeskarriere in Angriff zu nehmen. Nun denn: Sich mit den Federn klassisch ausgebildeter Manier sowie dem entsprechenden Instrumentarium zu schmücken, erweist sich im Falle von „World Beyond“ nicht als Eitelkeit, sondern als Nachweis der kompositorischen Klasse eines Vince Clarke. Mag das Original - „World Be Gone“ - auch noch so profund im euphorischen Electro-Schlager verhaftet sein: Als „World Beyond“ entfalten sämtliche Songs ein neuartiges Eigenleben, das aller Mühen mehr als lohnt. Denn ohne den Kleister der billigen Überfrachtung anzurühren, gelingt es Erasure im Zusammenspiel mit dem Ensemble Echo Collective auf jene Dimensionen hinzuweisen, die im zuvor längst bekannten Korsett nur wahrgenommen werden konnten, wenn gezielte Aufmerksamkeit den leichtfertigen Überschwang kassierte. Insofern eignet sich „World Beyond“ auch als Lehrstück. Als Bravourstück sowieso.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2018.

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