CD-Rezension / Review / Kritik

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Fischerspooner Sir CD Cover

Fischerspooner „Sir“

(Ultra Music)
Was macht eigentlich … Michael Stipe? Unwahrscheinlich, aber wahr: Für „Have Fun Tonight“, den ersten neuen Song der Electroclash-Säulenheiligen Fischerspooner seit acht Jahren, fungierte der frühere R.E.M.-Sänger als Co-Autor und saß gar am Mischpult. Und der Job muss dem Mann aus Athens so gut gefallen haben, dass er zusammen mit Jordan Asher Cruz alias Boots auch den kompletten vierten Longplayer der New Yorker produzierte. Auf diesem präsentieren sich Warren Fischer und Casey Spooner erneut nicht als bloße Begleiterscheinungen eines kurzlebigen Mikro-Genres, sondern renovieren auch jenseits des Klassikers „Emerge“ die glamouröse Seite des elektronischen Pop mit Stil, Vision und tollen Songs. Das zeigen nicht nur die erwähnte Vorabsingle oder das zackige „TopBrazil“, sondern auch die weniger offensichtlichen Schleicher „Discreet“ und „I Need Love“ – letztere beide inklusive durch die Hintertür geschmuggelte Autotune-Effekte. Kein Grund zur Aufregung jedoch: Ihre Zielsicherheit haben Fischer und Spooner auch während der langen Pause nicht eingebüßt, lassen schlanke Dancefloor-Knaller auf Maschinen-Funk und Roboterballaden prallen – und begrüßen mit Chairlifts Caroline Polachek, Singer-Songwriterin Holly Miranda und Andy LeMaster von den Indie-Rockern Now It’s Overhead auch berufene Gastprominenz im Studio. Und nun muss dieses überzeugende Comeback nur noch erscheinen, nachdem der ursprünglich für den September vorgesehene Release auf Februar verschoben wurde. Haben Sie bitte Spaß.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2018.
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2017 Sonic Seducer Magazin

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