CD-Rezension / Review / Kritik

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And The Golden Choir Breaking With Habits CD Cover

And The Golden Choir „Breaking With Habits“

(Caroline/Universal)
Gute Vorsätze fürs neue Jahr gefällig? Der von Tobias Siebert steckt schon im Titel dieses Albums. Wobei der Berliner generell keine Scheu davor hat, ungewöhnliche Dinge auszuprobieren: Die ersten Konzerte seines Nebenprojekts And The Golden Choir gab der Klez.e-Mann solo und ließ sich nur von einem Plattenspieler als Playback-Instrument begleiten, nachdem er Texthefte ans Publikum verteilt hatte. Dass auch „Breaking With Habits“ nach dem Debüt „Another Half Life“ nicht mit dem Sound seiner Hauptband zu vergleichen ist, war daher zu erwarten: Als And The Golden Choir favorisiert Siebert statt Vogelnest-Post-Punk preziösen, elegischen Indie-Pop, der nicht selten an Patrick Wolf oder Scott Walker erinnert. Dieser Zweitling jedoch geht – siehe Titel – noch einen Schritt weiter als sein Vorgänger, wenn in „My Lies“ oder „Air Fire Water“ plötzlich waidwunde Electro-Versatzstücke aufploppen, danach klingelnde und klappernde Percussions den Ethno-Anteil der ausladenden Kompositionen hochschrauben und stellenweise gar Dead Can Dance in Hörweite sind. Nein, so eindeutig als The Cure-Umdeutung wie „Desintegration“ von Klez.e lässt sich „Breaking With Habits“ nicht hören, sondern lebt vielmehr vom delikaten Wechselspiel zwischen dramatischen Balladen wie „Joker“ einerseits und dem groovigen Gitarrenpop-Groover „How To Conquer A Land“ andererseits. Bei And The Golden Choir weiß man praktisch nie, was als nächstes passiert – nur, dass es tief empfunden sein wird. Und genauso hochklassig.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2018.
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