Drucken
VNV NATION

VNV Nation „Noire“

(Anachron Sounds/Soulfood)
Schon mit dem zwischen majestätischer Gravität und euphorisierter Weltdeutung oszillierenden Opener „A Million“ macht Ronan Harris klar, dass es ihm daran gelegen ist, mit „Noire“ ein Statement zum Stand sämtlicher Dinge abzugeben, die ihn mit allen Zeitgenossen verbinden. Dass er hierzu auch in technischer Hinsicht aus dem Vollen schöpft, macht bereits der zweite Track „Armour“ deutlich, in dem er die eigenen Trademarks sowohl auf geschmackvoll penible Retro-Klänge als auch auf ein postmodernes Soundkonzept ausweitet, das dem Hörer ungeahnte Erfahrungsräume erschließt. Somit wären die Parameter gesetzt, mit denen Ronan Harris im weiteren Verlauf seine schier unbegrenzten Möglichkeiten auslotet. Überwiegend im Midtempo angesiedelt, definiert Harris dasjenige neu, was man einst als Futurepop zu bezeichnen pflegte. Aber VNV-Fans werden sich dennoch sofort bestens aufgehoben - und verstanden - fühlen. Allein: Es fällt schwer, Highlights hervorzuheben. Das ätzend drangsalierende „Immersed“ würde sich als Clubhit andienen. So auch „God Of All“ oder „Lights Go Out“. Doch „Noire“ ist in erster Instanz ein Album für den Ohrensessel, für eine intensive Auseinandersetzung und die innere Einsicht. So etwa mit dem an Erik Satie geschulten Klavierstück „Nocturne No. 7“, mit dem Ronan mehr als nur Mut beweist. Oder auch mit seiner emotional zutiefst ausgeprägten Expressivität, die das Abweichen von der Konvention eines Electro-Albums sinnfällig einfordert. Man kann es drehen und wenden, wie man will: „Noire“ erweist sich schlicht als ein weiterer großer Wurf aus dem Hause VNV Nation. Und selbst die größten VNV-Kritiker werden eingestehen, dass hier das Visionäre geerdet und das Irdische in einen geradezu zeitlos anmutenden Kosmos aus Klang und Sitte erhoben wurde.
Stephan Wolf


 


Titel Prodigy 11 18 01kl
Was es mit dieser verführerischen Dunkelheit auf sich hat, welche neuen Einflüsse Eingang auf „Noire“ gefunden haben, warum es Ronan für einen Videodreh nach Tokio zog - und warum er die Post-Punk-Newcomer Holygram dazu eingeladen hat, ihn auf seiner Tour zu begleiten, könnt Ihr in der kommenden Ausgabe des Sonic Seducer in Erfahrung bringen, die am 26. Oktober erscheint.
Unser welt-exklusives Vorabinterview zum neuen Album könnt Ihr HIER lesen.

Powered by Spearhead Software Labs Joomla Facebook Like Button
Monday the 17th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©