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Schwarzblut cover

Schwarzblut „Idisi“

(Alfa Matrix/Soulfood)
Wer sich mittelalterlichen Texten und Melodien mit elektronischen Mitteln nähert und den Gothic Club mit historischen Zeugnissen bekannt machen will, kommt an Qntal und Helium Vola nicht vorbei. Dass die Niederländer Hannah Wagner als Gastsängerin gewinnen konnten, die bereits mit letzteren zusammengearbeitet hat, ist da ein geschickter Schachzug. Er wäre allerdings fruchtlos, wenn nicht auch die Qualität der Stücke stimmen würde. In dieser Hinsicht kann man Schwarzblut mit Fug und Recht attestieren, dass sie sich ein weiteres Mal gesteigert haben. Die zarten, orchestralen Arrangements von „Dolorosa“ gehen nahtlos in „Vogala“ über, das Elektronik und Archaik verschmilzt. Ein orientalisches Vorspiel mündet in das „Palästinalied“, das hier nicht unbedingt spektakulär wirkt, aber auch längst nicht so abgenutzt klingt, wie es angesichts der Versionendichte in der Mittelalterszene zu fürchten stand. Daumen hoch! Noch besser wird es mit „Wutrich“, das den Wohlklang mit Finsternis und Aggression kombiniert. Das „Lied der Freiheit“ könnte mit seiner Melange aus Dramatik und Schub tatsächlich auf den Tanzflächen funktionieren, während die nuancierte Vertonung der mystischen „Ghaselen des Dschelal-eddin Rumi“ in der deutschen Übersetzung von 1819 fast wie ein Statement zur Frage nach der friedlichen Koexistenz der Kulturen wirkt. Ein würdiger Abschluss für ein gelungenes Album.
Christoph Kutzer

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