Alle | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Sonstige





Produkt:Sidsonic Libraries - Circus Circuit Bending Library (Sample Library inklusive Kontakt Player)
Ausgabe:2009-12/2010-01
Artikel:Zugegeben, das Verpackungsdesign wird vermutlich das letzte sein, was für Käufer professioneller Samplelibrarys von Relevanz ist. Dennoch hebt sich die schwarze Pappschachtel im Minikeyboardlook mit angesetztem Kippschalter und Buchsen sehr wohltuend von den gängigen Hochglanzpappschachteln anderer Anbieter ab. Wer sich bislang nicht traute, altem Elektrospielzeug oder anderen elektronischen Klangerzeugern mit dem Lötkolben auf die Platinenpelle zu rücken, um zu schauen, was passiert, wenn man sämtliche Warnhinweise der Hersteller vor Garantieverlust missachtet, findet nach der Installation der Library (inklusive dem Kontakt Player von Native Instruments) die Ergebnisse derartiger Manipulationen an insgesamt 14 Geräten auf seiner Festplatte. Grob unterteilt ist die Sammlung in die beiden Kategorien Drums und Synths. Als Basis für die Drumsounds dienten klassische Drumcomputer wie der Alesis HR-16 oder Boss DR-550, die sich vor der Aufnahme verschiedenen Sonderbehandlungen unterziehen mussten, um damit drastische Veränderungen an ihrem Output zu erzeugen. Konventionelle Drumsounds sollte man also nicht erwarten, stattdessen findet sich eine reichhaltige Auswahl brachialer Geräuschfetzen, extrem rau, aber dank der professionellen Arbeit von Sidsonic in hervorragender Qualität. Im Synth-Ordner finden sich im Original eher langweilige Geräte wie die Yamaha-Keyboards PSS 140 und PSS 270, Casios legendäres Low-Budget Samplingkeyboard SK1 und das Kinderspielzeug Speak & Spell von Texas Instruments. Zwar ist längst nicht alles der hier vorhandenen Sounds tonal spielbar, dafür sind Unmengen bizarrer Klänge zu entdecken. Als besondere Fundgrube entpuppen sich die befremdliche Sprachsynthese des Speak & Spell Toys und die metallisch schrillen Sequenzen aus dem PSS 270. Die Samples beider Kategorien sind als Kontaktinstrumente angelegt, das heißt, dass Zugriff auf die wichtigsten Parameter zur Beeinflussung des Sounds möglich ist, ohne erst tiefer gehend in die Samplestruktur eingreifen zu müssen. Echte Circuit Bender mögen möglicherweise die Nase rümpfen, dass man nun auch gänzlich ohne eigene Hardwarebasteleien zu Klängen kommen kann, wie sie diese Library zusammenfasst. Wem dies nicht stört, der erhält von Sidsonic zum Preis von 189 EUR insgesamt 180 Samplesets mit kruden Sounds, die so manchen Musiker an seine Toleranzgrenzen führen könnten, aber genau deshalb das ideale Rüstzeug für unkonventionelle Tracks zwischen IDM, Electronica, HipHop und Industrial darstellen.
Autor:Sascha Bertoncin
Homepage:www.sidsonic-libraries.com


Übersicht