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| Project Pitchfork - „Elvis ist göttlich!“, Interview Peter Spilles |
Time Tunnel: Project Pitchfork(06-98) 2008 stand im Jahr des Spilles. Santa Hates You, Imatem und Project Pitchfork - der Hamburger tanzte auf vielen Hochzeiten, sei es live oder im Studio. Und Frontmann Peter kann es nicht lassen, er arbeitet bereits an einem neuen Pitchfork-Album. Reisen wir zurück ins Jahr 1998, genau DEM 1998, wo die Darkwaver VivaZwei und die Charts eroberteten. "Steelrose", "Carnival" - das Album "Eon:Eon" wurde in vielerlei Hinsicht zu einem Meilenstein, nicht nur für Project Pitchfork, sondern auch für den Underground allgemein. Im Time Tunnel haben wir deswegen eine Zeitzeichen von Ende 1998 herausgekramt, dass wir Euch nicht vorenthalten wollten. Viel Spaß! Project Pitchfork „Elvis ist göttlich!“ Man nehme eine unbekannte Band, die zwar gute Musik macht, aber nur eine kleine Fangemeinde in einer Subkultur ihr eigen nennt. Diese Band, die vielleicht einmal einen Plattenvertrag bei einer kleinen Plattenfirma bekommt und somit auch ihre Hits der (Szene-) Öffentlichkeit zugänglich macht, erreicht irgendwann Kultstatus in ihrer (noch) kleinen Szene-Fangemeinde. Unter gewissen Umständen besteht die Chance, daß aus all diesem ein Trend entsteht. Plötzlich ist es in dieser Szene in, Fan dieser bestimmten Band zu sein. Schließlich unterschreibt die Band aufgrund der großen Nachfrage (und weil der Erfolg winkt) einen Vertrag bei einem Majorlabel, um ihre musikalischen Ergüsse in größerer Zahl unter das Volk bringen zu können. Dies hat den Vorteil, daß die Bandmitglieder nun mit ihrer Musik soviel Geld verdienen können, daß sie sich nur noch ihr widmen können, fernab von lästigen anderen Jobs. Die Fans aber schreien „Verrat“, werfen Kommerzgeilheit und Inhaltslosigkeit vor und wenden sich von der Gruppe ab - derjenige, der weiterhin zugibt, Fan dieser Band zu sein, ist uncool und wird verlacht. So
oder ähnlich könnte (oder: ist?!) es bei Project Pitchfork
passieren (bzw. passiert sein). Denn mit ihrem aktuellen Album
„Eon: Eon“, das sie bei dem Major EastWest
veröffentlichten, ecken sie an vielen Stellen an: Dirk Scheuber,
seines Zeichens musikalischer Kopf von Pitchfork, dazu: „Ich
verstehe nicht, was viele Leute so negativ daran finden, ihre Band
plötzlich im Fernsehen sehen zu können oder die
entsprechenden CDs leichter zu bekommen. Ich bin froh, wenn ich mich
ganz meiner Musik widmen kann und nicht die Hälfte meiner Zeit
damit verbringen muß, in einem langweiligen Büro zu sitzen.
Das Einzige, was ich ein wenig nachvollziehen kann an den
Vorwürfen, die uns gegenüber geäußert wurden, ist,
daß die Leute einfach Angst haben, daß ihnen dieses
spezielle Gefühl verloren geht; dieses Insider-Gefühl;
daß sie etwas Besonderes haben, das für die Allgemeinheit
nicht zugänglich ist. Ich finde auch nicht, daß man uns nun
Inhaltslosigkeit vorwerfen könnte, denn gerade ein eher
ainstreamorientiertes Publikum ist, glaube ich, ganz froh, wenn es auch
einmal mit Texten konfrontiert wird, die wirklich etwas aussagen. Und
das tun unsere Texte nach wie vor.“Daß die Fangemeinschaft sich verändert hat, konnte man bei den Warm Up Shows feststellen, die an nur vier Locations in Deutschland stattfanden und bei denen zum ersten Mal „Eon: Eon“ live vorgestellt wurde. Waren es früher noch die eher schwarzen Fans, die EBM Freaks usw., so sieht man heute bei Project Pitchfork Konzerten ein bunt gemischtes Völkchen, das man keiner speziellen Szene mehr zuordnen kann. Zu den Konzerten der letzten Zeit erzählt mir ‘Scheubi’ (wie er oft genannt wird): „Die Warm Up Shows waren phantastisch. Es war jedes Mal eine riesige Party, viele Fans kannten die ‘Eon: Eon’ schon, und so wurde richtig gefeiert! Vor den ‘Eon: Eon’ Shows waren wir ja in den USA, und selbst dort trafen wir Fans, die schon seit Jahren darauf gewartet haben, daß Project Pitchfork endlich einmal dort auftreten. Das war schon ein echt tolles Gefühl!“ Jetzt,
wo Project Pitchfork selbst in den Charts wiederzufinden sind (was
für mich schon amüsant anmutet, sie zwischen diversen
amerikanischen Rappern oder Soul-Sternchen zu sehen beziehungsweise zu
hören...), interessierte mich natürlich auch, was Dirk denn
von eben diesen hält - insbesondere von den vielen Coverversionen,
die zur Zeit auf dem Markt sind. „Ich finde all diese
Coverversionen zum Kotzen! Es ist ganz fürchterlich und kaum noch
zum Aushalten!. OK, wir haben mit Project Pitchfork auch schon ein paar
Coverversionen gemacht, wie zum Beispiel ‘In The Year
2525’, aber das heißt noch lange nicht, daß ich das
gutheiße, was da zur Zeit abgeht. Diese Leute covern ja
ausschließlich, und das zeugt nicht gerade von einem
Vorhandensein eigener musikalischer Kreativität. Das Einzige, was
für mich schon wieder Kultstatus hat, ist The King, wenn er mit
seiner Elvis-Stimme ‘Come As You Are’ von Nirvana covert,
ist das wirklich originell und kultig. Elvis ist göttlich!“Mich interessierten natürlich nicht nur die Einstellungen eines Dirk Scheuber zur aktuellen Popwelt, viel spannender fand ich es, ihn danach zu befragen, ob es im Leben von Project Pitchfork, jetzt, wo sie so vieles schon erreicht haben, noch unerfüllte Wünsche gibt. Dirk wurde etwas nachdenklicher und meinte: „Ich kann da nur für mich persönlich sprechen, Peter müßtest Du das selber fragen. Ich wünsche mir für Pitchfork nur, daß wir immer so weiter machen können.“ Und wie sieht es mit dem Bereuen aus? Bereut er irgend etwas? „Nein! Ich bereue in Bezug auf Pitchfork absolut gar nichts! Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich alles wieder genau so machen wie vorher, jedes einzelne Lied genau so aufnehmen, wie es nun ist.“ Man merkt es Dirk an, daß Pitchfork in letzter Zeit oft der Kritik ausgesetzt waren, und er dementsprechend eine Defensivhaltung einnimmt - tja, das Rockstar-Leben hat eben auch so seine Problemchen. Nein, im Ernst, ich denke, gerade Project Pitchfork haben ein bißchen Erfolg schon verdient - und: Wünscht sich das nicht jede Band?! Daher löcherte ich Dirk auch nicht weiter, sondern befragte ihn lieber zu den Zukunftsplänen der Pitchies: „Wir werden im Januar in alter Project Pitchfork-Manier eine ausgedehnte Deutschland-Tour machen. Ich denke, wir werden dabei einige Effekte aus den jetzigen Warm Up Shows übernehmen, aber uns natürlich auch noch andere Dinge einfallen lassen. Vielleicht lassen wir ja ein Ufo auf der Bühne landen oder so! Zur Zeit sind wir aber mehr damit beschäftigt, die Filmmusik zu einem Film zu schreiben, den Dennis Hopper (ja, richtig gelesen, der Dennis Hopper!, Anm. d. Verf.) im Moment dreht.“ ![]() Nun, wollen wir hoffen, daß Dennis nicht sofort von Aliens entführt wird, wenn diese Musik erklingt. Desweiteren empfehle ich einfach jeder und jedem, sich selbst die neuen Project Pitchfork Konzerte anzugucken und danach zu entscheiden, ob ihre Qualitäten an ihrem Berühmtheitsgrad zu messen sind. Frauke Stöber http://www.pitchfork.de/ |
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oder ähnlich könnte (oder: ist?!) es bei Project Pitchfork
passieren (bzw. passiert sein). Denn mit ihrem aktuellen Album
„Eon: Eon“, das sie bei dem Major EastWest
veröffentlichten, ecken sie an vielen Stellen an: Dirk Scheuber,
seines Zeichens musikalischer Kopf von Pitchfork, dazu: „Ich
verstehe nicht, was viele Leute so negativ daran finden, ihre Band
plötzlich im Fernsehen sehen zu können oder die
entsprechenden CDs leichter zu bekommen. Ich bin froh, wenn ich mich
ganz meiner Musik widmen kann und nicht die Hälfte meiner Zeit
damit verbringen muß, in einem langweiligen Büro zu sitzen.
Das Einzige, was ich ein wenig nachvollziehen kann an den
Vorwürfen, die uns gegenüber geäußert wurden, ist,
daß die Leute einfach Angst haben, daß ihnen dieses
spezielle Gefühl verloren geht; dieses Insider-Gefühl;
daß sie etwas Besonderes haben, das für die Allgemeinheit
nicht zugänglich ist. Ich finde auch nicht, daß man uns nun
Inhaltslosigkeit vorwerfen könnte, denn gerade ein eher
ainstreamorientiertes Publikum ist, glaube ich, ganz froh, wenn es auch
einmal mit Texten konfrontiert wird, die wirklich etwas aussagen. Und
das tun unsere Texte nach wie vor.“
Jetzt,
wo Project Pitchfork selbst in den Charts wiederzufinden sind (was
für mich schon amüsant anmutet, sie zwischen diversen
amerikanischen Rappern oder Soul-Sternchen zu sehen beziehungsweise zu
hören...), interessierte mich natürlich auch, was Dirk denn
von eben diesen hält - insbesondere von den vielen Coverversionen,
die zur Zeit auf dem Markt sind. „Ich finde all diese
Coverversionen zum Kotzen! Es ist ganz fürchterlich und kaum noch
zum Aushalten!. OK, wir haben mit Project Pitchfork auch schon ein paar
Coverversionen gemacht, wie zum Beispiel ‘In The Year
2525’, aber das heißt noch lange nicht, daß ich das
gutheiße, was da zur Zeit abgeht. Diese Leute covern ja
ausschließlich, und das zeugt nicht gerade von einem
Vorhandensein eigener musikalischer Kreativität. Das Einzige, was
für mich schon wieder Kultstatus hat, ist The King, wenn er mit
seiner Elvis-Stimme ‘Come As You Are’ von Nirvana covert,
ist das wirklich originell und kultig. Elvis ist göttlich!“

