Die Couch: Holly Loose (Letzte Instanz)
Die Couch: Holly Loose (Letzte Instanz)

Die Allzweckwaffe der Letzten Instanz Holly Loose begab sich in der Sonic Seducer Sonderedition Mittelalter-Musik 2 zur Therapiesitzung auf unsere Psychocouch. Dort verriet er uns interessante und witzige Details aus seinem Leben, aber auch sehr persönliches. Hier gibt es nun den zweiten Teil unserer Sitzung mit dem Musiker, Schriftsteller und Privatmensch Holly Loose.







Was macht das Leben für dich lebenswert?
So einfach es klingt, sind für mich doch ausschlaggebende Punkte für ein glückliches und lebenswertes Leben mittlerweile Gesundheit, Menschen um mich herum, die mir das Gefühl geben, nicht völlig sinnlos auf der Welt zu sein, ein gutes Essen mit Wein und gesundem Appetit zu genießen, ab und an ein bisschen Spaß an Orten zu haben, wo es auch Spaß macht. Dazu kommen natürlich die Arbeit mit den Jungs und die Arbeit an meinen Geschichten. Es ist nun nicht so, dass ich mich unbedingt totschuften muss, aber regelmäßig und gediegen etwas zu tun zu haben, ist fernerhin ein großer und wichtiger Punkt für den Lebenswert. Nur so kann ich auch die faulen Momente in der Sonne oder im Bett ohne schlechtes Gewissen genießen.

Welche Menschen bringen dich auf die Palme?
Menschen, die nicht zu hören oder zu ängstlich sind, um etwas Wagbares zu wagen. Egoisten und Einzelkinder, denen man es ansieht, weil man ihnen alles nachtragen muss. Menschen, die zum Rumningeln und Rumtottern neigen. Und jede Menge anderer Leute Macken. Aber Menschen ohne Macke sind ja Kacke, in sofern bemühe ich mich auch derzeit, ein bisschen verständnisvoller zu sein.

Stell dir vor, du könntest für einen Tag in den Körper einer anderen Person schlüpfen, wer würdest du gerne sein?
Ui, das ist eine schwere Frage. Vielleicht mal zur Abwechslung eine Frau, damit ich endlich mal weiß, wat die alle wirklich meinen, wenn sie etwas sagen? Oder vielleicht mal der Papst, um heraus zu finden, wie groß seine Macht wirklich ist? Vielleicht auch mal Tutanchamun? Putin? Mein Vater?

Welche Person, tot oder lebendig, würdest du gerne treffen?
Meinen Vater und meinen Bruder und die ganze Familie, die noch irgendwo in der Weltgeschichte rumhängt, um mal ein fettes Familienbesäufnis machen zu können.

Was unterscheidet ein Wohnsitz in der Türkei von einem in Deutschland?
Hier scheint es erstmal weniger Bürokratie zu geben. Allerdings nur auf den ersten Blick. Wenn man richtig eintaucht, dann werden einem auch hier von allen Seiten Steine in den Weg gelegt. Des weiteren wundere ich mich, was in Deutschland für Aufhebens um Feinstaub gemacht wird, während ich hier im Fährdunst ersticke. Und zum Dritten sehen die Wohnungen hier zwar schön aus, jedoch wird man binnen eines Monats zum Allroundhandwerker, weil stets und ständig irgendetwas kaputt geht. Der Türkische Busfahrer haut bei einem Motorschaden am öffentlichen Bus einfach mal mit einem ordentlichen Hammer gegen den Motor, dann läuft der wieder. In Deutschland bezahlt man Unsummen für einmal Reinschauen.

Wie können wir uns deine Wohnung vorstellen?
Dach, Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Gästezimmer, Balkon.

Wenn du die Mitglieder deiner Band Farben zuordnen müsstest, wer würde welche Farbe sein?
Alle schwarz… Außer Benni, der hat rote Haare…

Was macht dir mehr Spaß, die Lesereisen oder die Tour mit der Band?
Die Lesereisen sind natürlich viel einfacher zu bewerkstelligen, als eine Rocktour. Nach zwei Wochen Tour mit der Band brauche ich erstmal eine Woche Pause von allem. So eine Lesung ist ja meistens gediegen, halbwegs unbefangen und fröhlich. Wir haben danach nicht mehr viel abzubauen und können einfach ins Hotelbett fallen. Zu dritt oder zu viert mit Fahrer ist die ganze Lesegruppe natürlich auch überschaubarer und nicht so hektisch wie unsere große Instanz-Reisegruppe. Allerdings was den Adrenalinausstoß anbelangt, bevorzuge ich allemal die Reisen mit der Band.

Bist du lieber Schriftsteller oder Musiker?
Das ist Tagesformabhängig. Ich denke, mit dem Alter werde ich mich wohl zwangsweise eher der Schriftstellerei zuwenden. Da ich jetzt aber noch jung bin, versuche ich diesen einen Weg vorzubereiten, ohne den Anderen verlassen zu müssen, denn Beides macht im Grunde genommen Spaß und ist genau das, worunter ich mir Arbeit vorstelle. Auf einer Bühne zu stehen und zu rocken ist noch erfüllender als auf einer Bühne zu sitzen und zu lesen. Dazu kommt, dass ich ja nun schon Musiker seit geraumer Zeit bin, während  ich das Schreiben gerade einmal beginne. Vielleicht besinne ich mich ja schon nach dem dritten Buch eines Besseren und hoffe auf rheumaloses Leben, um auch noch mit 70 rocken zu können.

Gibt es irgendetwas, das du besonders gut kannst, was der Allgemeinheit so nicht bekannt ist?
Ich staune selber manchmal, was ich alles kann, insofern gibt’s da bestimmt etwas… aber das jetzt herauszufinden… Was mir spontan einfällt: Kinder lachen immer, wenn ich sie kitzele – das ist dann wohl etwas, was ich gut kann.

Wie wichtig ist dir Erfolg?
Nun ja, Erfolg definiert sich für mich durch seelische und körperliche Zufriedenheit. Gestern habe ich erfahren, dass wir im Oktober wieder in China auftreten werden. Das hat mich persönlich sehr gefreut. Wenn so etwas morgens kurz nach dem Aufstehen geschieht, ist der Tag schon fast gerettet. Diese Entscheidung war von vielen Einflüssen abhängig. Wenn alle Fäden zusammen laufen und alle an einem Strang ziehen und ich dann noch der war, der alle motiviert hat, ist das schon ein Erfolg. Aber die Frage war ja nicht was, sondern wie wichtig sei der Erfolg. Also: Jedem normalen Menschen mit einem gesunden Schuss Überlebenswillen muss ja zwangläufig auch Erfolg wichtig sein. Wer das leugnet, musste wohl noch nicht kämpfen. Ich arbeite an einer Sache, erstens solange sie mir Spaß macht und mir in irgendeiner Form Befriedigung verschafft und zweitens, solange es – wenn auch ab und an einmal – langsam, aber stetig bergauf geht, es also immer einen Grund gibt, sich über einen Fortschritt zu freuen. Und solange eben diese beiden Faktoren erfüllt sind, habe ich wohl Erfolg. Leider wird von vielen meiner Bekannten –vielleicht auch von Fremden – Erfolg am Geld gemessen, aber gerade aktuell scheint es ja, dass Geld eben doch nicht alles ist, was man zum Leben braucht. Nicht jeder König Midas hat auch Erfolg. Gold macht nicht satt.

Der Held deiner Kindertage war?
Skeletor? Ich weiß nicht mehr… Vielleicht fällt es mir mit 70 wieder ein.


Wie wird dein Leben im Alter aussehen?
Schäfer? Oder Rockstar. Oder Schriftsteller. Oder tot.

Bereust du etwas in deinem Leben?
Nein. Bis jetzt noch nicht. Toi toi toi.

Erik Rössler
www.letzte-instanz.de
myspace.com/letzteinstanz
Fotos: © Andraj Sonnenkalb

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