Der Soundtrack eines Sterbens Es ist der Soundtrack eines Sterbens, der seit fünf Monaten den schönen Todesengel Erinys begleitet. Im Frühjahr erschien nämlich das erste Comic-Album mit der bleichen Rächerin, deren Abenteuer monatlich im Sonic Seducer nachzulesen sind. Und es war der weltweit erste Comic, zu dem es auch gleich einen Soundtrack gab - als Dreingabe zur limitierten Auflage des Comics. Jetzt, da es die Sammler-Version immer seltener im Handel gibt, erscheint der Erinys-Soundtrack auch als Solo-CD, mit eigens designtem Booklet sogar als limitiertes Digipak.
Das Konzept des Samplers funktioniert, auch wenn der aufgeschlagene Comicband nicht daneben liegt. Peewee Vignold, der die Songsammlung zusammenstellte, gab sich reichlich Mühe, den Spannungsbogen der Geschichte nachzubilden. Dazu nutzte er schamlos die Erfahrung, die er während seiner mehr als 15-jährigen Tätigkeit in der Gothicszene gesammelt hat, und holte sich beim Telefonieren einen Satz rote Ohren. Schließlich gelang es ihm, eine Gruppe außerordentlich talentierter Künstler zu gewinnen, die nicht nur ihre Songs beisteuerten, sondern teils sogar exklusive Tracks für den Soundtrack komponierten. Dabei ging die Zusammenarbeit mit den Musikern nicht nur Hand in Hand, teils wurde es schon zu einer engen Kooperation, wie im Falle Gothminister, der mit "We Die In Dreams" den Opener für die CD lieferte und sich immer wieder vergewisserte, dass die aktuelle Version nicht nur den eigenen, sondern auch den Vorstellungen der Macher entspricht, womit Zeichner Jan Meininghaus und der Schreiber Thorsten Felden gemeint sind. Diese setzten die Idee zu "Erinys", die übrigens von Sonic Seducer Herausgeber Thomas Vogel stammt, so überzeugend um. Aber zurück zur CD. "Die Jungs haben ihre Tracks wirklich maßgeschneidert, das gilt nicht nur für Gothminister. Auch Rotersand, die das Outtro übernommen haben, treffen punktgenau den Geist des Comics", sagt Peewee. Diese Künstler geben den Ton vor, der den gesamten Soundtrack dominiert: Elektronik, ergänzt um einige Industrial-Tracks und kurze Ausbrüche in die metallischeren Gefilde des Genres. Wobei der gitarrenlastigste Track keineswegs von den üblichen Verdächtigen stammt, denn ausgerechnet Kovenant haben sich in diesem Fall wunderbar der Struktur des Albums angepasst, indem sie von ihrem Song "Star By Star" einen Remix von Apoptygma Berzerk beisteuerten. Und auch In Flames wurden so kräftig durch den digitalen Wolf gedreht, dass ihr "My Sweet Shadow" klingt, als stamme es von Vertretern der klassischen EBM-Fraktion. Tatsächlich rühren die metallischsten Momente der CD von den deutschen Chartstürmern Oomph!, die ihren Song "Nothing" recht ungeschliffen auf das Album entließen. Doch auch wenn man das linientreue Material betrachtet, aus dem dieser Soundtrack zuvorderst besteht, findet man ungewöhnliche Paarungen, wie zum Beispiel die von [:SITD:], die auf den bayerischen EBM-Shouter Cyrus treffen, der normalerweise The Retrosic seine Stimme leiht. Doch auf "Decoy" erkennt man die Bissigkeit, die auf diese Weise dem Song noch mehr Kraft verleiht. Ganz im Gegensatz dazu steht, was Zeromancer-Bassist Kim Ljung mit seiner Band Ljungblut und dem "Song For Liz" abliefert, denn dieser Track ist beinahe ein Gothic-Schmusesong. Doch auch das ist eine Ausnahme, während der Beitrag von Pzychobitch schon wieder perfekt ins Bild passt, denn "Whispers" ist nach wie vor einer der frischesten Songs des Albums, denn er wurde erst kurz vor Fertigstellung des letzten Albums geschrieben. Pzychobitch schlagen gleich noch mal zu, denn sie remixten das etwas theatralisch-pompöse "Be Like Me" von Terminal Choice. Kein Soundtrack kommt ohne die Score-Musik aus, was bedeutet: Um von einer Stimmung in eine andere überzuleiten, benötigt man Instrumentals, die diese Brückenfunktion übernehmen. Diese ebenso schwierige wie ehrenvolle Aufgabe übernahm ein Herr aus den Niederlanden: Erben Bergkamp, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Were, der im Jahr 2002 das Sonic Seducer Battle Of The Bands gewann. Für den Erinys-Soundtrack komponierte er gleich drei elektronische Instrumentals, die nur den einzigen Nachteil haben, dass dabei die Stimme von Were nicht zu hören ist. Dafür durfte auch der Erinys-Schöpfer selbst in die Saiten greifen, um dem Soundtrack zu adeln. Mit seiner Band Bleed Project hatte Jan Meininghaus nämlich einst den Uriah-Heep-Song "Lady In Black" gecovert, der auf diese Weise auf dem Erinys-Sampler weiterlebt. Auch Peewee Vignold wirkte mit. Er steuerte mit seiner ehemaligen Band The Eternal Afflict einen brillanten Remix des Songs "Isolation Comes" bei. Der Erinys-Soundtrack ist eine gelungene musikalische Untermalung dessen, was auf den 56 Seiten des Comics geschieht, er ist aber auch einer der stimmigsten Sampler des Jahres 2004.
Tracklist 01. GOTHMINISTER "We Die In Dreams" (Exklusive Song) 02. [:SITD:] feat. THE RETROSIC "Decoy" (Exklusive Song) 03. PZYCHOBITCH "Whispers" (Exklusive Song) 04. THE KOVENANT "Star By Star (Apoptygma Berzerk Remix)" 05. WERE "Thieved" (Exklusive Song) 06. TERMINAL CHOICE "Be Like Me (Pzychobitch Remix)" (Exklusive) 07. THE ETERNAL AFFLICT "Isolation Comes (Schuldt feat. D-Fundation Remix)" (Exklusive) 08. ACUMEN NATION "Liquid Hater (Acucrack Remix)" (Exklusive) 09. WERE "Under Will" (Exklusive Song) 10. OOMPH! "Nothing" (Rare Track) 11. BLEED PROJECT "Lady In Black" (Exklusive Song) 12. IN FLAMES "My Sweet Shadow (Remix)" 13. WERE "If I Were You" (Exklusive Song) 14. LJUNGBLUT "Song For Liz" (Exklusive Song) 15. ROTERSAND "Nurse's Song" (Exklusive Song)
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