INHALT
SONIC SEDUCER 09/06 inkl. Gothic Fetisch-Wandkalender 2007 und Cold Hands Seduction CD!
CD mit Camouflage (Video), Qntal, Phillip Boa & The Voodooclub, Welle:Erdball, Obscenity Trial, HIV+, Concise, ThouShaltNot, Blitzkid, Libitina, Sundealers u.v.a.
Interviews & Stories mit Qntal, Evanescence, Negative, And One, Lacuna Coil, The Cure, Poisonblack, Illuminate, Welle:Erdball, Cinema Strange, Camouflage, The Cult, Diary Of Dreams, Xandria, The Retrosic, Phillip Boa, Velvet Acid Christ, Crematory, Mentallo & The Fixer, KMFDM, Heimataerde, Atari Teenage Riot, Deathrock-Special u. v. a.
QNTAL
Mit dem Mittelalter bis nach Hollywood
Jeder Dauerstau und jede Baustelle der A9, aber auch so manch verspäteter Flug zwischen München und Berlin dürfte in den letzten Monaten zur Zerreißprobe der Nerven für die Mitglieder der Mittelalter-Crossover Formation Qntal geworden sein. Immer wieder machten sich Sängerin Sigrid Hausen (Syrah) und Multiinstrumentalist Michael Popp, die beide ihren Lebensmittelpunkt in der bayerischen Landeshauptstadt haben, auf, gemeinsam mit Soundtüftler Philipp Groth (Fil) in der Spreemetropole am neuen Album "Qntal V - Silver Swan" zu arbeiten. Obwohl geübt im musikalischen Pendeln zwischen der Vergangenheit und der Moderne, sahen sie sich nun ganz real den Zwängen der Distanzüberwindung gegenüber. Abschrecken konnte dies alle drei nicht und so präsentiert die seit 2001 stabile Besetzung zum dritten Mal in Folge einen Longplayer, der erneut einen klaren Entwicklungsschritt sichtbar macht.
In beeindruckend kurzer Zeit gelang es, dem Sinnbild des ruhig und edel auf dem Wasser dahingleitenden Schwanes eine akustische Entsprechung zu geben, die aufhorchen lässt. Ohne aufregende Wendungen und laute oder aufdringliche Klänge entstand ein Album, dessen Schönheit sich in jedem Detail offenbart. Wie die drei dieses Kunststück bewerkstelligen konnten, obwohl zumindest Michael und Syrah "nebenbei" noch in umfangreiche Estampie-Projekte verstrickt sind, ist ausgesprochen bemerkenswert. Abgesehen vom neuen Silberling und der bisherigen Karriere Qntals, die Michael in eigenen Worten anhand der Alben Revue passieren lässt, sollen deshalb die Themen Stress und der Verlauf der Zeit hier zum Gegenstand des Gesprächs gemacht werden.
CAMOUFLAGE
Keine Flinte im Korn
Bald ist es soweit - drei Jahre nach der Veröffentlichung ihres Albums "Sensor", welches Presse und Fans gleichermaßen in Verzückung versetzte, veröffentlicht die Band mit "Relocated" ihr siebtes Studioalbum. "Motif Sky" wird in Kürze als dazugehörige Single veröffentlicht, und im zweiten großen Part unseres Berichts gibt es noch ein paar weitere Insights und Bekenntnisse, denn Sänger Marcus Meyn nahm kein Blatt vor den Mund. Bitte alle warm anziehen!
Im Vorfeld gab es etwas Verwirrung um das Format, in dem "Motif Sky" veröffentlicht wird. Eine Download-Single wurde zwischenzeitlich kommuniziert, letztendlich aber wird es nun doch eine "richtige" Single geben, und diese sogar im schicken Digipak. Diese Entscheidung begrüßt Marcus verständlicherweise sehr, denn: "Was soll man als Band groß dagegen sagen, wenn die Plattenfirma meint, dass dies doch mal was anderes wäre, und man sich so auf das Album konzentriert, was ich natürlich auch unterstreiche - als Fan möchte ich aber einen Tonträger auch in der Hand halten können. Ich bin sehr froh, dass man letztendlich dann doch diese Lösung gewählt hat." Begleitend zur Single wurde ein Video erstellt, welches auch auf der Cold Hands-CD dieser Ausgabe zu finden ist, allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein Video im herkömmlichen Sinne, sondern um einen komplett animierten Clip, der das Motiv des Single- und Albumcovers aufgreift.
CINEMA STRANGE
Von dekorativer Musik, maßgeschneiderten Anzügen und Passionsfrüchten
Sechs Jahre sind eine halbe Ewigkeit im Musikbusiness. Wieso sechs Jahre? Logisch, es ist bereits über ein halbes Jahrzehnt her, dass drei junge Herren von der Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika am Düsseldorfer Flughafen ankamen, um dort für ihr erstes exklusives Konzert in Europa abgeholt zu werden. Im Gepäck hatten das Brüderpaar Michael und Daniel Ribiat sowie Frontmann Lucas Lanthier die damals frisch aus dem Presswerk gelieferte Debüt-CD "Cinema Strange", die einen überblick über die ersten in Eigenregie entstandenen 7"-Veröffentlichungen und Demos bot. Was zur damaligen Zeit niemand erahnen konnte, war, dass das über Monate im voraus hinweg angekündigte Konzert im Rahmen der Pagan Love Songs-Party im Bochumer Zwischenfall über 500 interessierte Zuschauer aus ganz Europa anzog. Sensationell, wenn man bedenkt, was für einen Stellenwert Goth- und Deathrock noch vor den besagten sechs Jahren in Deutschland hatte. Der Gig wurde begeistert aufgenommen, die Jungs während des Konzerts und auf der Aftershowparty frenetisch gefeiert und damit ein Stein ins Rollen gebracht, der bis heute nicht zu stoppen ist, obgleich sich das mittlerweile zum Quartett angewachsene Bandgefüge in ganz andere Gefilde orientiert hat als die strumpfhosentragende und mit meterhohen Irofrisuren ausgestattete Fanbase. Doch dazu später mehr. 2002 erschien mit "The Astonished Eyes Of Evening" ein absoluter Meilenstein der modernen Deathrock- und Avantgarde-Geschichte. Lucas Lanthier bewies auf vielfältigste Weise, dass er zu einem herausragenden Geschichtenerzähler und Songtexter gereift war, wohingegen die Ribiats einmal mehr ihre klassische Musikerausbildung zum Tragen bringen konnten. "Catacomb Kittens", "Speak, Marauder!" und ganz besonders "The Red And Silver Fantastique And The Libretto Of The Insipid Minstrels" wurden zu Klassikern, die bei jedem Showcase gefeiert wurden. Aber was geschah dann? Nun, das Trio tourte ausgiebig durch Europa, man headlinete das Wave Gotik Treffen, danach ging es quer durch die USA und nach Japan, wo Cinema Strange begeistert empfangen wurden. Zum zehnjährigen Jubiläum erschien eine limitierte Sammlerbox und eine extrem unterhaltsame DVD gab es noch als Nachschlag hinterher. Was aber war mit neuen Songs? Immerhin spielten Cinema Strange bereits seit geraumer Zeit immer wieder komplett neue Stücke bei ihren Liveshows, die bei den Fans unter solch seltsamen Namen wie "Blast Off!" oder "The Five Song" berüchtigt wurden. Ganz einfach, denn endlich, nach drei Jahren Wartezeit, ist mit "Quatorze Exemples Authentiques Du Triomphe De La Musique Décorative" das neue Meisterwerk aus dem Hause des seltsamen Kinos erschienen.
L'AME IMMORTELLE
Dem Horizont entgegen
Es gibt wenige Bands, die den Spagat zwischen kommerziellem Erfolg und dem eigenen musikalischen Werdegang selbstbewusst und mühelos schaffen. Thomas Rainer und Sonja Kraushofer alias L\'Ame Immortelle haben diese Kür mit ihrem letzten Album "Gezeiten" erfolgreich absolviert und feilten in den vergangenen Monaten eifrig an ihrem neuesten Werkt, um mit "Auf Deinen Schwingen" ihre "alten" und "neuen" Fans gleichermaßen zu überzeugen. Ende August wird der neue Longplayer endlich in den Regalen stehen - Sängerin Sonja nahm sich daher die Zeit, ausführlich über das Album und die Arbeit daran Auskunft zu geben.
Sanfte Melodien, eindringliche Texte und ein Gegensätze transportierender Gesang - das sind seit Jahren die Markenzeichen von L\'Ame Immortelle, für die Sonja und Thomas von ihren Fans verehrt werden. Eine musikalische Symbiose, die sich in jedem neuen Werk des Duos neu und auf facettenreiche Weise manifestiert. Muss man sich sehr nahe stehen, um derart produktiv zusammenarbeiten zu können? Sonja lacht wissend in sich hinein, als sie auf die Frage antwortet, ob sie denn immer durchschauen würde, wen Songwriter Thomas in seinen Texten im Auge habe: "Da ich Thomas\' damalige Partnerin kannte, wusste ich bei ‚Als die Liebe starb\' natürlich, um wen es damals ging. Doch grundsätzlich ist für unsere gemeinsame Arbeit zentral, dass ich mich in Thomas\' niedergeschriebene Gedanken hineinversetzen kann. Thomas lässt mir da Freiraum, denn in den Texten muss ich mich ja letztendlich auch wiederfinden können. Dieses Austauschen von Interpretationen empfinde ich als eine sehr spannende Phase unserer Arbeit. Auch das Einteilen der Musik, wer von uns was singt, ist ein gemeinsamer Prozess, bei dem ein Song beiderseitig wächst."
POISONBLACK
Bye Bye Poisonblack?
Drei Jahre sind seit der Veröffentlichung des Debüts "Escapextasy" vergangen, doch erst jetzt ist die Zeit wirklich reif für den Nachfolger "Lust Stained Despair". Eigentlich wurde die Platte schon im Frühjahr 2004 aufgenommen, aber nach dem Mix und Mastering war die Band um den ehemaligen Frontmann der vergangenen Herbst zu Grabe getragenen Sentenced, Ville Laihiala, mit dem Resultat nicht 100%ig zufrieden. Noch dazu durchlitt Poisonblack diverse Line-up-Veränderungen, die wie folgt aussahen: Zwei der ehemaligen Gründungsmitglieder verließen die Band, darunter Sänger J.P. Leppäluoto (Charon). Nachdem eine Zeit lang ein Ersatzmann gesucht wurde, kam man nach reichlicher überlegung zu der Entscheidung, dass Ville selbst am geeignetsten für den Job hinter dem Mikro sei.
"Als wir 2004 die Tour mit Lacuna Coil, Moonspell und Passenger starteten, wussten wir schon, dass J.P. die Band danach verlassen würde. Wir fingen an, uns Demotapes schicken zu lassen. Es waren auch wirklich gute Sänger dabei, aber deren Stimmen waren noch viel gothiclastiger als die von J.P. Wir wollten jedoch schon damals, dass der Sound der Band härter wird, deshalb war keiner dieser Bewerber geeignet. Wir probten dann eine Weile ohne Sänger, bis ich selbst anfing, das Mikro in die Hand zu nehmen. Irgendwann haben wir uns einfach dazu entschlossen, die Suche nach einem Ersatz für J.P. aufzugeben und mich als Sänger anzustellen", lacht Ville. "Anfangs war es ein bisschen seltsam für mich, da ich eigentlich einfach nur Gitarre spielen wollte, jetzt denke ich darüber aber nicht mehr nach."
WELLE: ERDBALL
Kult und Kultur
Der Kultfaktor steigt und steigt! Wurden Welle: Erdball beim Sendestart Mitte der 90er Jahre noch mitleidig belächelt und als unwürdige Relikte der Neuen Deutschen Welle abgetan, haben die beiden Protagonisten Honey und A.L.F. sich davon nicht beirren lassen. Offenbar wohlwissend, dass ihre Zeit noch kommen möge. Und tatsächlich, kaum fünf Jahre später - pünktlich zum Ausklang des zweiten Jahrtausends - bekannten sich etliche plötzlich wieder zur Vergangenheit: Zum Sound analoger Instrumente, zu deutschen Texten und zu ihren nostalgischen Gefühlen. Und so bedeutete das 98er Album "Der Sinn des Lebens" den späten Durchbruch für Welle: Erdball. Seitdem sind sie gerngesehener Headliner der größten Festivals und haben eine Schar von Fans um sich versammelt, die stets begierig auf neue Lieder wartet. Mit dem sechsten Album "Chaos Total" ist es jetzt wieder soweit. Frontmann Honey über Kult und Kultur von Welle: Erdball.
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