INHALT
CH 54 CD1: Fields Of The Nephilim "New Gold Dawn", Lacrimosa "Road To Pain", Letzte Instanz "Sonne", De/Vision "The End", Sulphuric Saliva "Codominion (root edit)", Unter Null "Sick Fuck", The House Of Usher "Radio Cornwall", Bloodsucking Zombies From Outer Space "A Deeper Shade Of Red", BATTLE OF THE BANDS 2005 (50 mp3-files), Trailer: "The Devil's Rejects"
CH 54 CD2: M'Era Luna 2005 - The Movie: Livemitschnitte: VNV Nation, Combichrist, Crüxshadows, Faun, Hocico, The Klinik, Schandmaul, Skinny Puppy; Interviews: Deine Lakaien, Diary Of Dreams, Lacuna Coil, Qntal, Zeraphine + Festivalimpressionen + Autogrammstunden
Fields Of The Nephilim, Nightwish, Korn, Depeche Mode, Rob Zombie, Nitzer Ebb, Blutengel, Lacrimosa, Within Temptation, Covenant, Untoten, Apoptygma Berzerk, Cradle Of Filth, De/Vision, Letzte Instanz, Leaether Strip, Sentenced, [:SITD:], Suicide Commando, ASP, Absurd Minds, Das Ich, 1349, Bloodsucking Zombies From Outer Space, Cephalgy, Colony 5, Creme De Menthe, Diskonnekted, Dornenreich, Empusae, Falkenbach, Frozen Plasma, Grimfist, Headscan, The House Of Usher, Khold, Kiew, Lights Of Euphoria, Mono No Aware, Mortiis, Reactivate, Schattenschlag, Soko Friedhof, Sono, Spasmodique, Sulphuric Saliva, Unheilig, Unter Null, Violet Stigmata, Witt, Amorphis, Death Stars, NFD, Regicide, Theatre Of Tragedy, Illuminate
FIELDS OF THE NEPHILIM
Die magischen Strahlen der trauernden Sonne
Wohl nur wenige Nachrichten haben während der letzten zehn Jahre für ähnliches Aufsehen innerhalb der schwarzen Szene gesorgt wie die spektakuläre Botschaft von der glorreichen Rückkehr der englischen Gothic Rock-Ikone Carl McCoy und seinen Fields Of The Nephilim. Mehr als 15 lange Jahre mussten die Fans einer der stilprägendsten Bands im Bereich des dunklen Rocks warten, um nun endlich mit dem vierten Studioalbum "Mourning Sun" belohnt zu werden!
"Ich habe während meiner künstlerischen Abwesenheit sehr viele verschiedene Sachen gemacht und hatte eigentlich immer auf die eine oder andere Weise mit der Musikindustrie zu tun, allerdings konnte ich während dieser Zeit durch diverse unglückliche Umstände keine Alben unter dem Namen The Nephilim veröffentlichen. Ich habe eine Menge Songs geschrieben und aufgenommen, wovon die öffentlichkeit natürlich nichts mitbekommen konnte. Heute habe ich so viele gute Stücke zusammen, dass ich Anfang dieses Jahres noch mit dem Gedanken spielte, ‚Mourning Sun\\\' als Doppelalbum herauszubringen! Doch dann wurde mir bewusst, dass es wahrscheinlich die meisten Leute völlig überfordern würde, erst jahrelang nichts von The Nephilim zu hören und plötzlich gleich zwei Alben mit diesen epischen und nicht gerade kurzen Songs präsentiert zu bekommen. Meine Stücke sind ja nicht gerade Popsongs und man braucht einfach eine gewisse Zeit und Ruhe, um zuzuhören. Ich denke aber, dass das nächste Album irgendwann Ende 2006 erscheinen wird!"
Den gleichzeitigen Segen und Fluch, es bei FOTN-Mastermind Carl McCoy noch nie mit einem Künstler zu tun gehabt zu haben, der sich auch nur annähernd mit normalen Maßstäben messen lässt, konnte seine vielköpfige Fangemeinde während der letzten zwanzig Jahre in ausgiebigen Wechselbädern der dunklen Gefühle selbst erfahren: Kultähnlicher Verehrung für die Gothic Rock-Meilensteine "Dawnrazor", "The Nephilim" und "Elizium" folgte ab 1991 nach kollektivem Post-Split-Trauma schließlich die Erhebung zum Mythos, dessen Glanz man seit 1993 immer wieder in regelmäßigen Abständen mit kurzlebigen Projekten und unsteten Comebacks hässliche Kratzer beibrachte
ABSURD MINDS
Die Gedanken sind frei
Die Absurd Minds zu verstehen, ist nicht immer leicht. Zwar sind ihre Gedanken nicht so absurd, wie es der Bandname vermuten ließe, eher sind sie anspruchsvoll. Und im konkreten Fall des neuen Albums "NoumenoN" auch einmal mehr philosophisch. Was musikalisch zumeist straight und eingängig auf den Hörer einwirkt, schlägt beim Text mitunter komplizierte Haken. Bandleader Stefan Grossmann kann das erklären. Angemessen verschachtelt, versteht sich.
Der Absurd Minds-Frontmann steht stellvertretend für den Anspruch, den die Band an sich und andere stellt: Denn in ihren Songs wirft die Band viele Fragen auf, auf die es keine Antworten gibt. Auf die es aber auch keine geben muss. Es scheint sogar so, als werfe jedes neue Absurd Minds-Album mehr Fragen auf als es beantwortet. "Das kommt von der Liebe zur Freiheit der Gedanken", sagt Stefan. "In der Philosophie gibt es keine Tabus und keine heiligen Kühe. Alles darf hinterfragt werden. Alles darf bezweifelt werden. Man versucht in einem Prozess des Nachdenkens, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Es steckt in jedem von uns. Sich Seinsfragen zu stellen, ist elementar für das Menschsein."
Aber wie das mit Verallgemeinerungen eben so ist: Auf den einen treffen sie mehr, auf den anderen weniger zu. Die Absurd Minds zählen zur ersten Kategorie, auf "NoumenoN" sind die Seinsfragen stattlich an der Zahl. Das impliziert bereits der Titel des Albums. Denn "NoumenoN" hat seinen Ursprung in der Philosophie Platons. Allzu hoch will Stefan den Bezug der Musik zu Plato aber dennoch nicht hängen. "Er ist kleiner, als man denkt", verrät er. "Das Album hat nicht die Absicht, etwas über hellenistische Philosophen in Erfahrung zu bringen. Außerdem sollte man nicht an Namen hängen. Platon hatte den Gedanken der Einheit hinter der Vielfalt. Viele andere hatten ihn auch. Wir hätten das Album auch ‚Lebenserhaltendes Prinzip\\\', ‚Totalität\\\', ‚Quelle\\\', ‚Natur\\\' oder ‚Gott\\\' nennen können. Wir denken jedoch, Noumenon ist das weitaus klangvollere Wort. Es bleibt aber eben nur ein Wort." Allerdings eines, dass mancher vielleicht nicht verstehen wird.
KORN
Durch den Spiegel und was Jonathan dort fand
Ein Best Of, eine Single-Collection oder ein artverwandtes Greatest Hits Album stellt stets einen fundamentalen Eckpfeiler in der Biographie einer Band dar, der sich in dem meisten Fällen dennoch als Wendepunkt ins Negative entpuppt. Bei den Bakersfielder Körnern jedoch hätte das letztjährige "Greatest Hits Vol. 1" zu keinem Zeitpunkt besser den Schlusspunkt einer ära setzen können, die nicht nur von einem neuen vielversprechendem Deal mit EMIs Virgin Records und dem Abgang von Gitarrist Brian ‚Head\\\' Welch, sondern ebenso von einer musikalischen Wiedergeburt abgelöst wird. Obwohl mit der im Fanlager heftigst umstrittenen Produzentenwahl von Atticus Ross (u.a. verantwortlich für das NIN-Comeback "With Teeth") und dem Popsongwriter-Dreigestirn The Matrix, die sich jüngst einen Namen als Aufputschmittel für Avril Lavigne, Ronan Keating oder Christina Aguilera gemacht haben, die ersten Stimmen schon anfingen, den Untergang der Droptuner herbeizubeschwören, bringen Korn mit "See You On The Other Side" zum wiederholten Male einen unantastbaren Meilenstein auf den Markt, der ihren führenden Innovatorenstandpunkt im modernen Metal-Geschäft weiter ausbauen und allen Kritikern das Maul stopfen sollte. Anlässlich all dieser gravierenden Reformen nimmt Leidensvater Jonathan Davis uns in Berlin für eine Führung über den Scherbenhaufen an die Hand, der einst noch ein altbewährter Spiegel war… Die Rückseite des Spiegels Von wegen sieben Jahre Unglück! Nachdem Korn bewusst auf ihren Gothic-angehauchten Höhenflug "Untouchables" das völlige Retro-Bollwerk "Take A Look In The Mirror" folgen ließen, wirkt der erste frische Eindruck von "See You On The Other Side" wie die absolute Zerstörung eben jenes Spiegels, zu dem man gerade erst zurückgekehrt war. Auch der simple Blick auf die Titel der beiden vergangenen Studiooutputs wirft die Frage auf, ob es eine inhaltliche Verbindung zwischen den beiden Alben gibt; sprich, ob die neue Scheibe vielleicht die andere Seite des Spiegels sein könnte?
LACRIMOSA
Harte Gegenstudie
"Kürzlich habe ich von einer Studie gehört", ereifert sich Tilo Wolff am Telefon, "bei der festgestellt wurde, dass Menschen, die alleine leben, respektive Menschen, die nicht soviel Liebe bekommen, sei es von ihren Eltern oder von ihrem Partner, körperlich und emotional schlechter dran sind als Menschen, die Liebe bekommen. Ich finde es absolut fatal, dass so eine Studie überhaupt in Auftrag gegeben wurde, durchgeführt wurde, denn das liegt doch so was von dermaßen auf der Hand! Wenn irgend ein Mensch daran gezweifelt hat, wenn irgend ein Mensch gesagt hat: ‚Ich brauche keine Liebe, mir geht es gesundheitlich und emotional besser ohne Liebe\\\', dann zeigt das einfach, wie krank diese Gesellschaft schon geworden ist!" Lacrimosa präsentiert die Gegenstudie. Das Ergebnis, das in Form der EP "Lichtgestalten" am 02. Dezember 2005 erhältlich sein wird, ist hart ausgefallen, zuweilen sarkastisch. Es knüpft inhaltlich an das Album "Lichtgestalt" an, aber auch, wie Tilos gesellschaftskritische äußerung nahe legt, an die Inhalte des "Fassade"-Albums…
"Ja, ja! Ja, ja!", stimmt Tilo vehement zu, "natürlich, es gibt gewisse Themen, die einen immer wieder bewegen, und das ist ein Bereich, der mich immer wieder beschäftigt: Die Oberflächlichkeit, die Abgehobenheit der Menschen in dieser Gesellschaft. Natürlich kann einem ein toller Job oder Anerkennung, wie man sie als Mensch in der öffentlichkeit bekommt, viel bringen. Natürlich ist es schön, auf der Bühne zu stehen und den Applaus zu hören - aber ich würde jeden Applaus in der Welt eintauschen, wenn ich mich entscheiden müsste, ob Applaus oder die bedingungslose Liebe eines einzelnen Menschen, die mir entgegengebracht wird. Es scheint aber inzwischen in dieser Welt so viele Menschen zu geben, die in jedem Fall sofort den Ruhm wählen würden oder die Macht oder das Geld. Das ist eine Sichtweise, die ich überhaupt nicht teilen kann." Entsprechend wendet sich Lacrimosa kontrapunktisch zu Tendenzen einer kalten Welt wieder dem Thema Liebe zu, das ja "Lichtgestalt" dominiert hat, betont jedoch auf "Lichtgestalten" die Schattenseiten.
UNTOTEN
Dreigeteilte Fantasie
Die Gothic-Szene stand in den vergangenen drei Jahren unter dem Zauber des Grabsteinlands - nach "Grabsteinland I" 2003, "Grabsteinland II - Herrschaft der Vampire" 2004 und schlussendlich "Grabsteinland III - Herz der Finsternis" 2005 ist nun der perfekte Zeitpunkt gekommen, um nicht nur einen Blick auf den finalen dritten Teil zu werfen, sondern die Trilogie als Gesamtkunstwerk gemeinsam mit Greta Csatlós und David A. Line zu durchleuchten. Nimmt man sich die vereinten Veröffentlichungen einzeln zur Hand, so stellt sich die Frage nach den optischen Aspekten, die die musikalische Reise in eine andere Welt in ein stilistisch angeglichenes Artwork betten. Zur Gewichtung von Bildern und Fotographien sowie der Kolorierung findet Greta folgende Beschreibung: "Der erste Teil entwickelt sich aus der Realität eines Berlin im Jahre 2003 hin zu einer vermeintlichen Traumwelt, die unsere Protagonistin betritt. Es schien uns deshalb passend, den visuellen Anfang in realistischen Bildern umzusetzen. Wenn man aber genau schaut, schieben sich in den Realismus der Fotografien schon Figuren aus dem Grabsteinland. Die zwei Welten fangen an, sich zu verbinden, wobei unsere Heldin, wir nannten sie Birch, eben noch sehr passiv ist. Auch die Farbgebung, gold, grünlich, moosig, erinnert eher noch an den Friedhof, auf dem Birch ja den Eingang zu ihrem Grabsteinland findet. Beim zweiten Teil assimiliert sie sich immer mehr mit dieser neuen Welt. Sie wird selbst zum Raben, zur Eule, zum Wolf, selbst zum Fabelwesen und findet darin neue Kraft, entdeckt ganz neue Seiten an sich. Die Farben werden immer sinnlicher, um dann im Finale seine Apotheose im satten Rot, der Farbe der Liebe, zu finden."
WITHIN TEMPTATION
Heimspiel für alle
Nach dem per Wiederveröffentlichung von "Mother Earth" 2002 denn auch in Deutschland herbeigeführten durchschlagenden Erfolg konnte "The Silent Force" hierzulande wie anderswo 2004 diesen fortsetzen. Unterstützt von Chor und Orchester lieferten Within Temptation ein fulminantes Album ab, das es zu drei Single-Hits brachte und weiteres hochmelodisches Mitreißpotential in sich barg. Das niederländische Sextett ist seit seiner Gründung 1996 quasi ohne Unterlass auch auf Bühnen unterwegs und schloss die "The Silent Force Tour" im Juli 2005 vor heimischem und annähernd 10.000 Köpfe zählendem Publikum in Amsterdam ab. Die gleichnamige DVD dokumentiert vorrangig diesen Auftritt, ist aber mit weiteren Livemitschnitten und vor allem mit umfangreichem Bonusmaterial versehen, das Sängerin Sharon den Adel eigenhändig zusammengestellt hat. Als Gitarrist Robert Westerholt noch damit beschäftigt war, die Tonspuren und die finale Trackauswahl für diese Mammutveröffentlichung (2DVD nebst Ausgabe inklusive live Audio-CD) zusammenzuschrauben, fand er Zeit, unseren Anruf entgegenzunehmen.
Es hat sich herumgesprochen, dass er und seine Partnerin Sharon 2006 zu dritt sein werden, eine Feststellung, die ihn überrascht, fast so, als hätte er sich das noch nicht vergegenwärtigt, aber die überraschung wird von freudiger Zuversicht in der Stimme übertönt. "Ja, stimmt", aber Sorgen darüber, dass Within Temptation als Band darunter zu leiden haben, macht er sich keine. "Wir sind ja zu zweit und unsere Eltern sind auch noch da, die aushelfen können. Außerdem ist unsere Arbeit sehr flexibel. Wir haben zwar viele Deadlines, aber wir können die Zeit selber planen und einteilen. Kein anderer Beruf lässt sich so leicht mit einem Kind verbinden. Wir können zu Hause Songs schreiben." Sorgen machte ihm allerdings die Aussage, dass eine Schwangerschaft den auch die Stimme bestimmenden Hormonhaushalt durcheinanderbringen kann. "Mensch, sag so etwas nicht, das wäre der blanke Horror." Wäre es sicher auch für die vielen Anhänger, die Within Temptation über die Jahre für sich begeistern konnten.
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