INHALT
Totentanz-Ausgabe (Februar 2002)
Stories über Deine Lakaien, Apoptygma Berzerk, Cinema Strange, Nine Inch Nails, Marilyn Manson, Rob Zombie, Zeromancer, Persephone, Lacrimosa-Tourbook sowie 10 exklusiven Stickern.
DEINE LAKAIEN
Aus dem Hut gezaubert
Seit dem 07. Januar steht es in den Läden, bestimmt bei vielen auch bereits im CD-Regal: "White Lies", das Deine Lakaien-Album mit dem mutierten Kaninchen. Die Assoziation ‚aus dem Hut gezaubert' drängt sich auf - & ist, wie sich im Gespräch mit Ernst Horn & Alexander Veljanov herausstellt, gar nicht so abwegig... Wir treffen uns Ende November 2001 in Hamburg in einem kleinen Konferenzraum von Public Propaganda / Alster Musikverlag. Auf einem großen Tisch sind Säfte, Obst & Gebäck arrangiert, am Tisch sitzt Ernst Horn: in schwarzer Jeans & schwarzem T-Shirt, mit wie üblich etwas zerzausten Haaren, mit ernstem, aber freundlichem Gesicht. An der Seite steht Alexander Veljanov: in schwarzem Mantel & mit dunkler, leicht futuristischer Sonnenbrille vor den Augen. Angesichts der freundlichen Begrüßung schlage ich vor, mit dem unangenehmen Thema anzufangen, damit wir das hinter uns haben. Alexander ist irritiert: "Welches unangenehme Thema?" Nun - noch ist kaum erklärt, was zur Trennung von Michael Popp & Christian Komorowski geführt hat... Alexander erläutert: "Wir sind nach dem letzten Tourabschnitt der ‚Kasmodiah'-Tour Ende '99 nicht ganz glücklich auseinandergegangen. Danach hat wohl jeder erst einmal versucht, Zeit vergehen zu lassen. Als wir uns dann wieder zusammengetan haben & überlegt haben, wie es weitergehen soll mit dem neuen Album, hat sich die Frage gestellt: entweder - oder. So wie bisher wär's nicht weitergegangen, wir haben überlegt: was können wir verbessern? Letztendlich sind wir zu dem Entschluß gekommen, daß es einfach nur so geht. Wir wollten nicht darauf verzichten, live zu spielen."
APOPTYGMA BERZERK
Musik- und Marketing-Profis
Wenn heute einer ein Album macht und damit Erfolg haben will, reicht es längst nicht mehr aus, einfach nur gute Musik zu produzieren, nein, er muß auch ein mindestens ebenso starkes Marketingkonzept am Start haben. Die unterschiedlichen Märkte einschätzen, die richtigen Songs als Singles auswählen, ein nicht zu plumpes, aber auch nicht zu kompliziertes Artwork anfertigen und das richtige Video zählen längst zum kleinen Einmaleins des Popstars. Stephan Groth scheint diesen neuen Anforderungen, die Musiker auf dem Weg in die Charts inzwischen erfüllen müssen, offenbar gewachsen. Und die Musik von Apoptygma Berzerk ist ja ohnehin über jeden Zweifel erhaben. So auch die neue Maxi "Until The End Of The World", bei der die oben aufgestellte These gleich voll greift. Denn diese Single ist nicht nur ein ganz typischer - und damit absolut erfolgsversprechender - Apop-Song, auch der Plan, diesen Track auch jenseits der Untergrund-Clubs zu etablieren, ist äußerst abgefeimt. Stephan erklärt es so: "Die Single ‚Until The End Of The World' wird es in zwei Editionen geben: Eine richtige Apop-Single wie ich es nenne - und eine weitere für die Trance-DJs und deren Publikum." Keine schlechte Idee, schließlich hat sich beim Ferry Corsten Remix von ‚Kathy's Song' gezeigt, daß mit dem richtigen Mix auch Leute außerhalb der Electro-Szene Gefallen an Apoptygma Berzerk finden. "Das hätten damals eigentlich auch zwei verschiedene Singles werden müssen", findet der Apop-Chef rückblickend. "Viele unserer Fans konnten mit den Mixen von Ferry Corsten überhaupt nichts anfangen, und umgekehrt hatte die Techno-Szene natürlich nichts mit einem Beborn Beton-Mix am Hut."
CINEMA STRANGE
Auf dem Weg an die Speerspitze
Wie kaum eine andere Band hat das von der Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika stammende Trio Cinema Strange binnen kürzester Zeit so viele Goth-Herzen erobert und höher schlagen lassen. Das gleichnamige Debütalbum, welches eine Kollektion der bis zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten 7"-Singles und Demoouttakes darstellte, verkaufte sich wie warme Semmeln. Die erste - "Kittens In The Catacomb" betitelte Europatournee führte die Gebrüder Daniel und Michael Ribiat, sowie Frontneurotiker Lucas Lanthier sowohl durch Deutschland, als auch durch die Slowakei, Österreich und die Niederlande; und dies mit sehr großem Erfolg. Songs wie "En Hiver", "Greensward Grey" und "Sadist Sagittarius" sind aus den Playlisten der Clubs nicht mehr wegzudenken, und doch gibt es nach wie vor viele Neider und Mißgönner, die mit dem Erfolg der Amis nichts anfangen können.
MARILYN MANSON
Vom Tal des Todes in die Strip-Bar
Wohl niemand zuvor hat sich in der Geschichte des überlieferten Wortes mehr Mühe gegeben, der Menschheit den personifizierten Teufel so erfolgreich zu verkaufen wie Brian Warner aus dem beschaulichen US-Städtchen Canton/ Ohio. Als Kunstfigur Marilyn Manson macht der Sohn eines Teppichverkäufers und einer Krankenschwester nun schon seit geraumer Zeit in regelmäßig wiederkehrenden Abständen der Welt mit seinen multi-platin-veredelten Alben Angst & Bange und auch für das Jahr 2002 kündigt der leibhaftige Satansbraten seine akustische Auferstehung via Tonträger an.
NINE INCH NAILS
Zeit für Neues / Nur ein bißchen Düsternis / Was war, was kommt
Mit "And All That Could Have Been" zündet Trent Reznor eine gewaltige Bild- und Tonrakete aller Liveaktivitäten seines Babys Nine Inch Nails. Doppel-DVD, Doppel-CD und Video werden unter die Leute gebracht, jedes Format anders bestückt und ausgestattet. Braucht's der Fan? Sicher. Denn es ist der Schlußpunkt all dessen, was bisher war. Von nun an "ist Zeit für Neues", wie das eigenbrötlerische Genie im Interview erklärt. Das ist doch mal eine Neuigkeit: Trent Reznor schließt ab und fängt von vorne an. Oder, wie er es beim Gespräch in seinem Studio in New Orleans formuliert: "Es ist langsam an der Zeit, etwas komplett Neues anzufangen, ich bin kein jugendlicher Rüpel mehr. Und ehrlich gesagt frage ich mich auch, ob ich mich von manchem nicht schon viel früher hätte verabschieden sollen. Das fällt schwer - ich mochte diese Ära, und die meisten Songs mag ich noch immer. Aber jetzt freue ich mich auf Neues."
PERSEPHONE
Verlorenheit in Reinform
Nach unserem Studiobericht und vielversprechenden Hörproben steht nun also das Solowerk "Home" von L'Ame Immortelle-Chanteuse Sonja Kraushofer seit dem 11.01.2002 in den Läden, welches nicht nur durch sein aufwendiges Design Aufmerksamkeit erregen wird. LAI-Fans sei aber gleich gesagt: Die üblichen Clubhits bekommt man hier nicht, was laut Sonja ja "auch der Sinn eines Nebenprojekts ist." Mit verträumten Balladen, emotionalen Stücken voller Geschichten und jeder Menge Violinen führen sie und ihre Mitmusiker uns in eine romantische Welt, in der harsche Töne und erst recht nicht die harte Realität etwas verloren haben.
ROB ZOMBIE
Neues aus dem Haus der zahllosen Leichen
Meine Fresse, ist das herrlich! Wenn man etwas wirklich liebt, dann hat man gemeinhin nichts dagegen, mehr davon zu bekommen. Und im klassischen Jahr 1995 liebte ich White Zombies "AstroCreep:2000", ohne Frage und ohne Einschränkung. War das eine geballte Ladung energievoller, vor skurrilem Humor strotzender, vor Einfallsreichtum überbordender Horror-Slapstick-Metal-Stücke! Hier wurde alles auf den Punkt gebracht, wofür Rob Zombie, Mastermind von White Zombie und Mastermind an sich, jemals gestanden hatte. Und nun gibt es etwas Neues von Rob Zombie: "The Sinister Urge", in Deutschland bislang lediglich als Import erhältlich; und was macht der Mann? Fest steht: Er erfindet sich nicht mit jeder Veröffentlichung neu - eher läßt er mit "Sinister Urge" das legendäre, dreifach platinveredelte 95er-Album neu auferstehen. In der Tat ist es möglich, einzelne Songs auf dem neuen Silberling penibel ihren jeweiligen Geschwistersongs auf "AstroCreep:2000" zuzuordnen - aber wer möchte schon so penibel sein? Ich jedenfalls nicht, denn ich freue mich und jubiliere; und stelle fest, daß ich von den typischen Gitarrenriffs, der typischen Zombie-Vocal-Manier, den aus Filmen entliehenen Intros und den tausend eingespielten, liebevoll eingesetzten Sprachfetzen nicht genug bekommen kann. Ganz zu schweigen von den Salven hysterischen Gelächters in verzerrter Sampleästhetik und den schrägen pornographischen Versatzstücken, die ein nicht unbedeutendes Element im Konzept dieses irrwitzig auftrumpfenden Underdogs darstellen. Hoffentlich kommt in Zukunft noch irgendwann mal "AstroCreep:2003".
In Studio Veritas: TIAMAT
"Beers, Steers & Love With Yourself"
Im Grunde lügt diese Rubrik, wenn sie mit "Studio" betitelt ist. Denn Tiamat war nach Aussage Johan Edlunds (Sänger, Songwriter) ein solch gestalteter Besuch "einfach zu langweilig". Wir befinden uns in der Hauptstadt Dänemarks, wo Tiamat ihre neuesten Songs zum aktuellen Album aufnahmen - aber es wurde ein Pub beziehungsweise dessen Hinterzimmer anstelle des üblichen lokalen Studios gemietet, um einem guten Dutzend Musikjournalisten die (fast) finalen Ergüsse vorzustellen.
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