INHALT
inkl. The Mission, Faith & The Muse, Goethes Erben, Bush, Mortiis, Godflesh, Zeromancer, Funker Vogt, Oomph!, Stromkern, HIM-Tourbook, Birthquake-Special u. v. m.
THE MISSION
Back For Good
Wir sind in den letzten Jahren regelrecht verwöhnt worden in Sachen Reunions. Wie viele Bands haben wir wieder auf die Bühne steigen sehen, mit denen wir nicht mehr gerechnet hätten, aus welchen Gründen auch immer? Bei allem Schwelgen in Nostalgie, oftmals hat es einen faden Beigeschmack, wenn sich eine Gruppe wieder zusammentut. Zu oft wird versucht, alten Klassikern -ob live oder im Studio - neues Leben einzuhauchen, und zu selten entsteht neues Material, das sich mit früheren Werken messen kann. Als The Mission ankündigten, daß sie an einem neuen Album arbeiten, war nicht nur das Interesse von vielen Seiten groß, sondern auch die Skepsis. In der Februar-Ausgabe hatten wir bereits einen ersten Blick hinter die Kulissen geworfen. Hatte sich Mission-Gitarrist Mark Thwaite zu weit aus dem Fenster gelehnt, als er meinte, daß das neue Album gut wird? Eines sei schon mal verraten: Er hat es nicht. Den Beweis dafür liefert das SPV-Label Oblivion am 5. November. Nachdem "Evangeline" bereits als Single ausgekoppelt wurde, erscheint mit "AurA" das erste reguläre Studioalbum der Band seit fünf Jahren.
BIRTHQUAKE 2001
We fought for our right to party
Thomas Vogel, seines Zeichens Herausgeber des Sonic Seducer, hatte zu seinem 30. Geburtstag geladen, und Hunderte düster gekleidete Gestalten folgten seinem Ruf. Na ja, vielleicht wollte nicht jeder Anwesende ausschließlich gratulieren, sondern eventuell noch eine oder mehrere der drei hochkarätigen Livebands - namentlich Zeromancer, VNV Nation und Moonspell - zu Gesicht bekommen, die den musikalischen Höhepunkt des Abends gestalten sollten. 1000 - in Worten: eintausend - Männlein und Weiblein fanden sich also am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit im Landschaftspark Duisburg ein - eine ungewöhnliche und mehr als angemessene Location für solch ein Ereignis. Damit nicht genug, so fanden sich auch zahlreiche Prominente Szenegrößen wie Project Pitchfork, Diary Of Dreams, Catastrophe Ballet, Melotron, Velvet Acid Christ, The Fair Sex und Kreator, sowie zahlreiche Medien-Partner von Recordcompanies und Agenturen aus dem In- und Ausland ein, um den Anlaß im einmaligen Umfeld gebührend zu feiern. Schon tags zuvor hatte ein vielköpfiges Team von Organisatoren, Fachkräften und Hilfsarbeitern damit begonnen, alles für das große Fest herzurichten. Und obwohl es das erste derartige Festival war, das vom Sonic Seducer persönlich und in Eigenregie vorbereitet und durchgeführt worden war, war der durchschlagende Erfolg der Beweis dafür, daß doch das meiste richtig gelaufen sein muß. Zu dem Zeitpunkt, wo die ersten Gäste eine lange Schlange vor dem Eingang bildeten, hatte die Vorbereitungscrew schon stundenlang im Schweiße ihres Angesichts geschuftet, um Aufbau, PA, Verpflegung und Soundcheck fristgerecht auf die Beine zu stellen. Zentraler Dreh- und Angelpunkt dieses generalstabsmäßigen Planungsgeschehens war dabei das Produktionsbüro, das im hermetisch abgeschirmten Trailerpark hinter der Halle vor unbeabsichtigten Störungen sicher war. Hier wurde geplant, beschlossen, organisiert, umorganisiert, gezittert, gelacht, geweint, geschrieen und geseufzt. Nachdem einige Schreckmomente während des Planungs- und Organisationsablaufs aufgetreten waren, konnten mit nur wenig Verspätung die Tore geöffnet werden, um die immer zahlreicher gewordenen Gäste hereinzulassen...
BUSH
Aufgepaßt!
Bush haben ein neues Album, und das ist gut so. "Golden State" heißt das Teil und ist für alle die, die den letzten Longplayer zu elektronisch fanden - für alle anderen natürlich auch. Hier ist wieder echte Rockmusik angesagt, die von echten Männern gemacht wird. Aber statt in ihren Stiefeln zu sterben oder in den Sonnenuntergang zu reiten, machen die Vier lieber ein bißchen Promotion für "Golden State", infolgedessen auch für den Sonic Seducer ein Interview abfiel. Opfer... Ääh... Gesprächspartner war Gitarrist Nigel Pulsford, der trotz endloser Interviews und Promotionstreß noch den ein oder anderen flotten Spruch über die Lippen bekam. Britischer Humor eben (obwohl er nicht in der Lage war, einen anständigen Witz zu erzählen).
FAITH & THE MUSE
Decades
Wenn man den Independent Musikmarkt heutzutage genauer unter die Lupe nimmt, dürfte man sehr schnell ob der Tatsache, daß Monat für Monat unglaubliche Mengen an mehr oder minder qualitativ mangelhaften Releases auf den Markt kommen, verdrossen werden. Aufregende Releases, deren Veröffentlichung man herbeifiebert, gibt es augenscheinlich immer weniger. Alben von Monica Richards und William Faith alias Faith & The Muse gehörten seit Gründung der Band zu dieser Kategorie. Ganz entgegen den bisherigen langen Pausen zwischen den einzelnen Outputs erschien dieser Tage die Doppel-CD Kollektion "Vera Causa" (Metropolis/ EFA), welches Liveaufnahmen, Compilationbeiträge, Remixe, unveröffentlichte Demos und einige Coverversionen enthält. Eine Doppel-CD von atemberaubender Schönheit und Qualität, das vorweg, aber war es nicht geplant, daß "Vera Causa" eine reine Akustikplatte werden sollte?
GOETHES ERBEN
Eine kreative Gemeinschaft
Bereits im vergangenen Jahr warf das am 29. Oktober erscheinende Album "Nichts bleibt wie es war" mit der Maxi "Der Eissturm" seine Zeichen voraus. Im April diesen Jahres war es dann soweit, daß die Stücke in einer kleineren Tour den Fans vorgestellt wurden. Nun, nachdem eine zweite Maxi unter der Zusammenarbeit von Peter Heppner und den Erben ebenfalls veröffentlicht wurde, dürfen wir endlich auch das fertige Werk in Händen halten. Lange hat es gedauert, bis geschäftliche Belange geklärt waren und schließlich alle Stücke vollständig präsentiert werden konnten. Diese Wartezeit ist jedoch jedes einzelne Stück wert. Über die drei inhaltlichen Teile "Zeit nachzudenken", "Zornige Utopien" und schließlich das "Resümee" ergibt sich ein Gesamtbild, welches als Zusammenfassung dessen, was Goethes Erben ausmacht, angesehen werden kann. Auch wenn sich mit "Glasgarten" einer der eingängigsten Songs der bisherigen Bandgeschichte finden läßt, so werden doch auch wieder erschreckende Szenarien menschlicher Abgründe beschrieben. In dieser Zusammenschau spielen zudem gleichsam Titel der Soloprojekte Erblast und Still Silent eine wichtige Rolle. Nur logisch, daß hier Mindy und Oswald gemeinsam sich den Fragen stellen.
KREATOR
Gereifte Individualisten
Diese 1982 - noch unter dem Namen Tormentor - gegründete Essener Kultband hat schon eine erstaunliche Entwicklung vollzogen. Sie kann heute als Paradebeispiel für einen wirklich eisernen Willen und metallischen Idealismus der reinsten Ausprägung aufgeführt werden. Jetzt steht die Veröffentlichung der achten Platte an. "Violent Revolution" hört sich an wie eine ebensolche und zementiert den Status der Elite-Lärmer erneut kräftig aus. Zwölf naturgeile Knochenbrecher sind darauf für die musikalische Ewigkeit konserviert worden; diese werden wie immer dominiert von Sänger Milles einmaligem Organ und entfesselten kreischend-jaulenden Leadgitarren wie in alten Tagen. In den Gehirnen der damalig schwer von Slayer und Venom beeinflußten jugendlichen Metalheads fand damals keine Ruhe mehr statt: Eine eigene Combo mußte her. Die wurde schnell ins harte Leben gerufen und so entstanden die legendären Demos "Blitzkrieg" (´84) und das 85er "End Of The World"-Tape, die einstigen Vorbilder in Sachen Härte und Kompromißlosigkeit schon recht bald hinter sich lassend. So sind Kreator (ein Walddämon in der nordischen Sage; Anmerkung des Verfassers), die seit jeher sehr unbeugsamen und vor allem musikalisch enorm eigenständigen Kohlenkinder aus dem Ruhrpott mit den Jahren zu einer der unantastbaren Ikonen der einheimischen Thrash-Metal-Szene geworden. Man kann Kreator auch getrost in einem Atemzug mit vergleichbaren Dreschflegeln wie Sodom oder Destruction nennen, ohne sich das Maul zu verbrennen. Zusammen bilden diese Kapellen so etwas wie die unheilige Dreifaltigkeit des deutschen Thrash-Metals. Sie infizierten Mitte der 80er den ganzen Erdball mit bis dato nicht vernommenen musikalischen Härtegraden. Ganze Legionen von Nacheiferern wurden von ihnen auf das Nachhaltigste beeinflußt. Es gab kein Zurück und eine noch bis heute andauernde Schlacht um den Thron der Härtesten hat bis jetzt noch nicht ihr Ende gefunden. Bandgründer und Sänger Milan "Mille" Petrozza malträtiert auch schon von Anfang an die Saiten bei Kreator. Der Vollblutmetaller ist Halbitaliener und hat dementsprechende Hitze im Blut.
MORTIIS
Der Soundtrack zur Therapie
Schon im letzten Heft haben wir über die wundersame Wandlung im Sound von Mortiis berichtet. Nachdem mit dem letzten Album "Stargate" der Weg in die Herzen der Liebhaber von filmisch anmutender Musik frei schien, besann man sich etwas gänzlich anderem. Aus den einst so bildhaften epischen Klangteppichen wurden geradlinige Songs. Zwischen die kraftvollen Gitarren mischen sich nun elektronische Elemente, deren Gestalt vielerlei Quellen suggerieren. Zu dieser Neugestaltung gesellt sich die Einbindung der Stimme des Künstlers. Obwohl dies beim ersten Hören ungewohnt sein mag, zeigt sich doch schnell, welche vielseitigen Möglichkeiten sich so ergeben. Bereits die hinzugewonnene Dynamik offenbart, daß zukünftig wohl nicht mehr nur Liebhaber der ruhigen Klänge sich dieser Musik zuwenden dürften, sondern auch in den einschlägigen Clubs könnten die Songs eine Rolle spielen. Daß sich der textliche Hintergrund von "The Smell Of Rain" dennoch in erster Linie mit den Emotionen des Norwegers auseinandersetzt zeigt, daß musikalische Selbsttherapie nicht uninteressant für Außenstehende sein muß. In einem sehr offenen Gespräch drehte sich denn auch nicht alles um die neusten Sounds und Verkaufszahlen, sondern auch um die Gefühlswelt des optisch so andersartigen Musikers.
MY DYING BRIDE
Der Alptraum fröhlicher Menschen
Es hat den Anschein, als wollten My Dying Bride ihre Fans seit dem nicht unumstrittenen "34.788% Complete"-Album stets aufs Neue überraschen. Nach diesem doch ungewöhnlich progressiven Album, servierten uns die Briten im letzen Jahr mit "The Light At The End Of The World" ein durch und durch schwermetallisches Album, das My Dying Bride von ihrer gewohnt heftigen Seite zeigte und nahtlos an alte Klassiker wie "As The Flower Withers" oder auch "Turn Loose The Swans" anknüpfte. British Death Doom at it's best! "The Dreadful Hours" ist nach diesem Härtebeweis einmal mehr als Überraschung zu werten, experimentiert das Quintett auf seinem neuesten Werk doch erneut mit variablem Gesang und diversen ruhigeren Passagen, ohne jedoch den Härtegrad gänzlich herauszunehmen. Dementsprechend würde ich "The Dreadful Hours" als eine gelungene Mischung aus "34.788% Complete" und "The Light At The End Of The World" bezeichnen. Was mein Gesprächspartner Aaron "Azz" Stainthorpe, seines Zeichens Sänger von My Dying Bride, von diesem Vergleich hält, erfahrt ihr im nun folgenden Interview.
UNTOTEN
Wer ist hier blasphemisch?
Nachdem wir bereits im letzten Sonic Seducer kurz mit Greta Csatlos und David A. Line von den Berliner Untoten gesprochen haben, stand nun; zum Release des an Halloween erscheinenden neuen Albums "The Look Of Blasphemie", ein längerer Plausch an, in dem sich die beiden Nachtgestalten von ihrer Schokoladenseite zeigten. Wie kaum eine andere Band haben es die Untoten geschafft, sich durch pure Manpower und verwirklichte Ideen und Konzepte bis an die Speerspitze der deutschen Goth-Szene zu manövrieren. Immer noch mit dem eigenen Label Sonic Malade im Rücken, und ohne großartige finanziellen oder marketing-technischen Hilfsmittel, werden es Greta und David auch mit ihrem neuesten Werk schaffen, die unruhig wartende Fanbase erneut zu begeistern.
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